Kompetenzcheck nur für Personen "mit beruflicher Perspektive"

4. April 2016, 07:00
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Der AMS-Flüchtlingscheck kostete 600.000 Euro. Die Teilnehmer mussten Deutschkenntnisse und Berufsinteresse haben

Wien – Das Interesse am Kompetenzcheck des Arbeitsmarktservice Mitte Jänner war gewaltig, das Ergebnis erstaunlich: Asylberechtigte und Personen mit subsidiärem Schutz vor allem aus dem Iran, Irak und aus Syrien wiesen laut der Untersuchung ein Bildungsniveau auf, das weit über den Erwartungen lag.

Was dem AMS prompt den Vorwurf der Manipulation einbrachte. Dieses verteidigte die Vorgangweise, stellte aber von Beginn an klar, dass die Erhebung nicht repräsentativ war. Die Analyse gilt nicht zuletzt deshalb als bedeutsam, weil nach dem ersten Pilotversuch heuer 13.500 Personen einem Kompetenzcheck unterzogen werden.

FPÖ-Anfrage

Mit Kritik am AMS besonders hervorgetan hat sich die FPÖ, die Sozialminister Rudolf Hundstorfer mit mehreren parlamentarischen Anfragen zu dem Thema eindeckte. In der Beantwortung unterstreicht dessen Nachfolger Alois Stöger, dass die Qualifikationen der Befragten gründlich geprüft worden seien, allerdings werden auch neue Fragen aufgeworfen. So verfügten die knapp 1000 befragten Flüchtlinge bereits über Deutsch-Grundkenntnisse.

Zudem war Voraussetzung für die Teilnahme am Kompetenzcheck, dass die Testpersonen "Interesse an der Erfassung ihrer beruflichen Kompetenzen und der Entwicklung einer beruflichen Perspektive für das weitere Erwerbsleben in Österreich haben". Die Auswahl erfolgte durch das AMS Wien.

Günstige Einstufung

Die Bewertung der Qualifikationen erfolgte auf Basis von Zeugnissen, Interviews und praktischen Tests. Die Einstufung dieser Ergebnisse erfolgte "nach der jeweils angenommenen höchsten Ausbildung", schreibt Stöger in der Anfragebeantwortung.

Umfassend dokumentiert der Minister die Prüfung der von den Flüchtlingen vorgelegten Qualifikationen. Mit der Bewertung von Hochschulzeugnissen wurde das Nationale Informationszentrum für akademische Anerkennung des Wissenschaftsministeriums herangezogen. Schulzeugnisse prüfte das Bildungsministerium. Berufliche Qualifikationen wurden demnach von der Stelle für Gleichhaltung einer ausländischen Berufsausbildung im Wirtschaftsministerium evaluiert. Überdies wurde beim Kompetenzcheck mit der Anlaufstelle für Personen mit im Ausland erworbenen Qualifikationen (AST Wien) kooperiert.

Keine Studie über Bildungssystem

Bleiben noch die Zweifel der FPÖ an der Güte der Abschlüsse – beispielsweise an Universitäten – in den Heimatländern der Flüchtlinge. Dazu Stöger: Der Kompetenzcheck war nicht als vergleichende Studie der Bildungssysteme gedacht. (as, 4.4.2016)

  • Schwierige Orientierungssuche: Rudolf Hundstorfer (rechts), damals noch Sozialminister, gemeinsam mit AMS-Chef Johannes Kopf bei der Präsentation des ersten Kompetenzchecks.
    foto: apa / hans klaus tech

    Schwierige Orientierungssuche: Rudolf Hundstorfer (rechts), damals noch Sozialminister, gemeinsam mit AMS-Chef Johannes Kopf bei der Präsentation des ersten Kompetenzchecks.

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