Frauen, abgeteilt

Einserkastl3. April 2016, 17:42
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Der Umkehrschluss aus dem simplen Wunsch nach einem Rückzugsort

Opfer-Täter-Umkehr ist bei der Spezies Homo sapiens ein seit Jahrhunderten beliebtes Spiel. Das hat Tradition bei allen Frauenthemen, von sexuellen Übergriffen bis zur Benachteiligung am Arbeitsplatz, dehnt sich aber bei Bedarf auch gerne auf Männer aus, die beispielsweise Missbrauch ansprechen, wie zahlreiche Kirchenskandale beweisen.

Originelle neue Töne

Opfer, die Schutzräume verlangen, sind überhaupt und gänzlich suspekt. Die recht emotional geführten Diskussionen, die um das von Deutschland angedachte Frauenabteil entbrannt sind, muten nicht nur deswegen teils absurd an. Dem üblichen (und leider erwartbaren) Opferbashing fügten sich aber diesmal originelle neue Töne bei: Die Ausgrenzung von Frauen wurde dabei befürchtet. Die großflächige Beschuldigung von Flüchtlingen, als würden diese Abteile die Erwartung eines allgegenwärtigen Kölner Bahnhofs implizieren. Und nicht den simplen Wunsch einiger Frauen nach einem Rückzugsort, der offensichtlich aufgrund zahlreicher Erfahrungen auch notwendig ist. Das Frauenabteil – quasi ein Schritt ins finstere Mittelalter.

Beruhigung für Zweifler

Dass es diese Abteile in Österreich seit langen Jahren ohne die befürchteten Folgen gibt, ging in der Diskussion völlig unter. Auch Frauenfitnesscenter und Frauensaunas haben bis jetzt offenbar nicht das Ende der Gleichberechtigungsbestrebungen eingeläutet. Eigentlich könnte das die größten Zweifler beruhigen. (Julya Rabinowich, 3.4.2016)

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