Schneearmer Winter setzt der Skiindustrie zu

4. April 2016, 05:30
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Heuer dürften die Hersteller die kurze Saison mit einem blauen Auge überstehen. Die Skiproduktion musste aber zurückgefahren werden

St. Johann im Pongau – "Noch ein Winter wie dieser, und es werden weitere Hersteller verschwinden." Das war der Tenor an Meinungen, die vor Beginn der heurigen Wintersaison in skiindustrieaffinen Kreisen zu hören war. Der Winter begann dann miserabel, im gesamten Alpenraum fehlte der Schnee. Hätte es Ende November nicht ein paar kalte Nächte und somit die Möglichkeit zur Produktion von künstlichem Weiß gegeben, wären die Skipisten in Österreich selbst in mittleren Lagen bis Mitte Jänner kaum befahrbar gewesen. Erst dann gab es Niederschläge und mit ihnen den nicht zuletzt für die Stimmung so wichtigen Naturschnee.

Berg-und-Tal-Fahrt

"Wir haben gelernt, mit der Situation umzugehen", sagte Wolfgang Mayrhofer, Geschäftsführer von Atomic Austria. Mit "wir" meint er in erster Linie Atomic, die weltweite Nummer eins bei Alpinski, aber auch weite Teile der Industrie. Im Gegensatz zu früher werde nur mehr wenig auf Lager produziert, der Großteil auf Bestellung gebaut – bei Atomic bis zu 95 Prozent der Ski. Sobald ein Auftrag eingehe, werde diese Menge produziert. Die Kunst sei dabei, die dadurch notgedrungen auftretenden Schwankungen in der Produktion zu meistern. Während die Wochenproduktion im Februar teilweise nur 800 Paar betrage, könnten es im Juni an die 6.000 sein, sagte Mayrhofer, der bis 2013 auch etliche Jahre Branchensprecher der österreichischen Skiindustrie war.

Generell sei ein Trend zu höherpreisiger Ware zu beobachten. "Wir verkaufen zwar in Summe weniger Ski, haben aber beim Umsatz kaum Einbußen", sagt Mayrhofer. Skifahrer, die ihre Brettln noch selbst kaufen und nicht leihen, würden zudem in immer größerer Zahl Händler im Skigebiet aufsuchen. "Test and buy" heiße es häufig – ausprobieren und dann kaufen.

Vor 25 Jahren wurden weltweit acht bis neun Millionen Paar Ski verkauft, heute sind es nur noch drei Millionen, 350.000 davon in Österreich. Mehr als die Hälfte stammen von österreichischen Firmen. Marken wie Kneissl sind längst vom Markt verschwunden, andere wurden aufgefangen und werden unter neuer Eigentümerschaft fortgeführt. Mit knapp 1.000 Mitarbeitern baut Atomic in der größten Skifabrik der Welt in Altenmarkt rund 540.000 Alpinski. Zusätzlich werden noch Brettln für die Schwestermarke Salomon gefertigt, die wie Atomic zum finnischen Amer-Konzern gehört. Dazu kommen Auftragsarbeiten für Fremdfirmen. Die Butter auf dem Brot verdienen sich die Skifirmen immer mehr mit Brillen, Helmen und Skischuhen, die höhere Margen bringen.

Silicon Valley des Sports

Als "Silicon Valley des Wintersports" bezeichnet Atomic-Mann Mayrhofer die Region, die etwa ident ist mit Ski Amadé, dem Zusammenschluss von 22 Bergbahnen zwischen Haus im Ennstal und St. Johann im Pongau. Ernst Brandstätter, treibende Kraft hinter dem Verbund und Geschäftsführer der Bergbahnen Flachau, Eben, Filzmoos, streicht die wirtschaftliche Bedeutung der Kooperation hervor. Sie sei der Hauptgrund für die Prosperität der Region. Nun gibt es ein noch größeres Ziel: Flachau mit dem Skigebiet Zauchensee zu verbinden.

Dann, so Brandstätter, wäre es vernünftig, die Bergbahngesellschaften in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Damit sollten Investoren die Möglichkeit erhalten, sich zu beteiligen. Der Zusammenschluss der zwei getrennten, jedoch mit einer Karte befahrbaren Skigebiete sollte mit einer kuppelbaren Umlaufbahn erfolgen. Projektkosten: rund 65 Millionen Euro. "Die Gäste wollen das", sagt Brandstätter. (Günther Strobl, 4.4.2016)

Die Reise erfolgte teilweise auf Einladung der Sparte Tourismus der Wirtschaftskammer Österreich.

  • In Altenmarkt in Salzburg steht die größte Skifabrik der Welt, die Atomic gehört. Rund 540.000 Alpinski werden dort gefertigt.
    foto: apa/barbara gindl

    In Altenmarkt in Salzburg steht die größte Skifabrik der Welt, die Atomic gehört. Rund 540.000 Alpinski werden dort gefertigt.

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