Günter Rhomberg: Ein Verdienstorden für den Feuerwehrmann

Analyse4. April 2016, 10:00
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Als Interimsgeschäftsführer führte er den staatlichen Bühnenkonzern nach Auffliegen des Burgtheater-Skandals durch zwei schwierige Jahre

"Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten." Den Satz von Abraham Lincoln hatte sich Günter Rhomberg ganz dick in sein erstes Vorwort für den Jahresbericht der Bundestheater-Holding geschrieben. Nun reicht die voraussehbare Zukunft von Burgtheater, Staatsoper und Volksoper zwar nur bis zur Spielzeit 2018/19 – danach soll es ohne Subventionserhöhung finanziell erneut kritisch werden; dass Rhomberg nicht gestaltet hätte, kann man aber nicht behaupten. Als Interims-Geschäftsführer führte er den staatlichen Bühnenkonzern nach Auffliegen des Finanzskandals am Burgtheater durch zwei schwierige Umbaujahre. Nun hat er an seinen regulären Nachfolger Christian Kircher übergeben.

Wie alles begann

Rückblende ins Jahr 2014: Der Finanzskandal am Burgtheater (u.a. Bilanzfälschungen) kommt Stück für Stück ans Tageslicht. Der neue Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) entlässt nach der Fristlosen Entlassung Stantejskys auch Direktor Hartmann, begleitet von gegenseitigen Schuldzuweisungen der Beteiligten. Ende Juni tritt auch Holding-Chef Georg Springer die vorzeitige Pensionierung an – er wolle "eine Versachlichung der Diskussion ermöglichen", heißt es. Ostermayer nimmt an, sucht nach einer Übergangslösung. Jemand mit Autorität sollte her, reich an Erfahrung, der mit Bühnenchefs auf Augenhöhe verhandeln würde.

Das Telefon klingelt

Im Juli klingelt das Telefon bei Günter Rhomberg. Der Vorarlberger Kulturmanager war von 1981 bis 2012 Präsident der Bregenzer Festspiele. Seinen Ruhestand schiebt der 76-Jährige noch ein wenig hinaus, wird für zwei Jahre Geschäftsführer eines Konzerns, dessen genaue Strukturen er bis dahin nicht kannte. Mit Holding-Prokurist Othmar Stoss (an dem der Burgtheater-Skandal ohne Konsequenzen vorübergegangen war) muss er sich arrangieren. Bei seiner ersten Jahrespressekonferenz 2015 fordert Rhomberg eine Subventionserhöhung, klar geregelte Verantwortlichkeiten im Gesetz und kündigt Immobilienverkäufe zur Budgetsanierung an. Die Bilanz stellt man mit einem zum Vorjahr noch einmal vergrößerten Verlust dar.

Die Strategie der Eskalation geht auf. Ostermayer erreicht beim Finanzminister eine Erhöhung der jährlichen Basissubvention von 148,9 auf 162,9 Mio. Euro. Gespart wird bei Produktionen und Personal, der Verkauf von Immobilien spült 40 Mio. Euro ins Zahlenwerk. Im vergangenen Februar präsentiert Rhomberg zum Abschied als Bühnen-Feuerwehrmann eine Bilanz mit schwarzen Zahlen. Dass ausgerechnet ihm, als Verfechter marktwirtschaftlicher Unternehmenskriterien, die größte Subventionserhöhung seit Ausgliederung der Theater gelingt, entbehrt dabei nicht einer gewissen Ironie.

Kein Einvernehmen nötig

Die von Rhomberg gewünschte "Stärkung der Holding" kommt nur bedingt, denn die Letztverantwortung für Geld- und Besetzungsfragen schreibt sich der Minister selbst ins Gesetz. Neu ist allerdings, dass der Holding-Geschäftsführer beim Budget mit seinen Bühnenchefs kein Einvernehmen mehr herstellen muss. Wenn nötig, kann er einen Sparkurs auch aufzwingen. Beim Besucherkrösus Staatsoper (konstant über 90 Prozent Auslastung) stieß Rhomberg auf Granit. Direktor Dominique Meyer zeigte sich von den Sparvorstellungen des Holdingchefs (etwa beim Streamingdienst) unbeeindruckt, ließ sich mit Verweis auf die guten Zahlen seines Hauses nicht in die Karten schauen.

Seither verdichten sich die Indizien, dass Meyers Vertragsverlängerung über 2020 hinaus nicht wahrscheinlicher geworden ist; sein Posten soll Ende 2016 ausgeschrieben werden. Nikolaus Bachler, Intendant der Bayerischen Staatsoper, gab überraschend bekannt, in München nicht mehr zu verlängern. Prompt stattete ihm der Kulturminister einen Besuch in München ab.

Das Erlebte niederschreiben

Dass Günter Rhomberg bei allem erkennbaren Willen zur Aufklärung den Wirtschaftsprüfer Martin Wagner nicht von seiner Verschwiegenheitspflicht entband, damit dieser vor dem kleinen Untersuchungsausschuss aussagen hätte können, wird als Makel bleiben. Ostermayer dekorierte Rhomberg für dessen Einsatz mit dem Goldenen Verdienstorden der Republik. Vielleicht, so Rhomberg, schreibe er das Erlebte einmal nieder. Die Autobiografie zum Achtziger wäre gewiss ein Krimi. (Stefan Weiss, 4. 4.2016)

  • Günter Rhomberg ebnete der heiklen Reform den Weg.
    foto: apa/robert schlager

    Günter Rhomberg ebnete der heiklen Reform den Weg.

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