Brave: Neuer Browser will Nutzer zahlen, wenn sie Werbung zulassen

3. April 2016, 13:56
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Ersetzt Werbung der Seiten mit eigener und beteiligt User sowie Publisher – Alternativ: Adblocker gegen Bezahlung

Mit einem kontroversen Konzept hat sich vor einigen Wochen der ehemalige Mozilla-Chef Brendan Eich zurückgemeldet. Der neue Browser Brave soll nämlich die Werbung von Webseiten blocken oder optional durch eigene, angeblich weniger aufdringliche, Werbeinhalte ersetzen.

Details

Nun liefert das Unternehmen erstmals Details zu diesem Geschäftsmodell, und dieses kann zumindest mit einem Detail überraschen. Lassen die User nämlich die von Brave gelieferte Werbung zu, sollen sie an den damit erzielten Einnahmen beteiligt werden. Der Aufteilungsschlüssel lautet dabei folgendermaßen: Nutzer, jene Partner, die sich um die Werbeauslieferung kümmern, sowie Brave selbst erhalten jeweils 15 Prozent. Die Publisher der betreffende Seiten bekommen mit 55 Prozent den Löwenanteil.

Ledger

Hinter all dem steht ein Bitcoin-basiertes Bezahlsystem namens Brave Ledger, bei dem jeder Brave-User automatisch ein Konto bekommt. Mit den hier eingehenden Einnahmen können sie dann entweder ihre Lieblingsseiten gezielt zusätzlich unterstützen oder das Geld auch auf ein zweites, privates Bitcoin-Konto überweisen, und wie gewohnt ausgeben. Allerdings betont Brave, dass für die zweite Option die Nutzer identifiziert werden müssen, dies sei eine Vorschrift durch Anti-Geldwäsche-Regulierungen. Ansonsten betont der Softwarehersteller den Fokus auf die Privatsphäre der Nutzer, es sollen also keine User durch Werber identifiziert werden können.

Adblocker-Modus

Alternativ dazu kann Brave auch in einem Adblocker-Modus operieren. Hier funktioniert der Geldfluss genau umgekehrt, die User zahlen also einen monatlichen Fixbetrag, der dann am Ende des Monats an die – anonym ermittelten – zehn meistbesuchten Seiten ausgezahlt wird. Wie hoch dieser Betrag sein wird, verrät der Softwarehersteller noch nicht.

Mischung

Die Nutzer können übrigens beide Modi miteinander mischen, wie der Browserhersteller betont. Es können also einzelne Seiten ganz werbefrei dargestellt werden, während bei anderen die Brave-eigene Werbung angezeigt wird. Auf diese Weise findet eine Art Querfinanzierung über den Brave Ledger statt.

Viele offene Fragen

Bei all dem bleiben derzeit trotzdem noch immer viele Fragen offen. So ist unklar, wie man die Seitenbetreiber dazu bringen will, bei diesem Konzept mitzuspielen. Offenbar ist aber die Idee, dass man diesen schlicht keine Wahl lässt, indem man die Werbung auch austauscht, wenn der Betreiber nicht zustimmt. So bleibt den Publishern eigentlich nur die Wahl, ob sie die rund um ihre Inhalte erzielten Einnahmen einfordern wollen – oder nicht. Auch ist fraglich, ob das "Adblocker gegen Bezahlung"-Modell funktionieren wird. Immerhin mag dies zwar durchaus fair sein, bisherige Erfahrungen zeigen aber, dass die User dann doch lieber zu einem konventionellen Adblocker greifen, der sie nichts kostet.

Zeitplan

Die erste Version von Brave, die all dies umsetzt, soll Ende Mai veröffentlicht. Bisher gibt es lediglich Testversionen des Browsers, die sich auf klassisches Werbeblocken beschränken. Diese sind für Windows, Linux, OS X, iOS und Android erhältlich. Der Browser basiert auf dem Chromium-Projekt von Google. (apo, 3.4.2016)

  • Brave versucht sich an einem neuen Geschäftsmodell.
    foto: brave

    Brave versucht sich an einem neuen Geschäftsmodell.

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