Hamilton rast in Bahrain zu seiner 51. Poleposition

3. April 2016, 15:08
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Teamkollege Rosberg auf Platz zwei, Vettel im Ferrari auf Rang drei – Lauda: Neuer Quali-Modus "Griff ins Klo" – Ecclestone: Fahrermeinung unnötig

Sakhir – Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton hat sich die Pole Position für den Großen Preis von Bahrain gesichert. Der englische Mercedes-Pilot verwies vor dem zweiten Saisonrennen am Sonntag (17.00 Uhr/ORF, RTL und Sky) seinen deutschen Teamrivalen Nico Rosberg auf den zweiten Platz, Ferrari-Fahrer Sebastian Vettel (GER) wurde Dritter.

Auch beim Saisonauftakt in Australien hatte Hamilton die Pole geholt, das Rennen aber hinter Sieger Rosberg beendet. In Bahrain war es die 51. Poleposition der Karriere für Hamilton, der Engländer liegt in der ewigen Bestenliste hinter dem deutschen Rekordweltmeister Michael Schumacher (68) und Ayrton Senna (65).

Alonso-Ersatz Vandoorne schneller als Button

Mercedes-Teamchef Toto Wolff zeigte sich sehr angetan von der neuerlich starken Vorstellung seines Duos, warnte aber vor den Ferraris. "Ich bin happy. Die Runde war perfekt. Es war ein aufregendes Qualifying. Die Pace von Ferrari ist gut, die sind da, das wird ein harter Kampf", meinte der Wiener im ORF-Interview.

Nach dem Spitzenquartett reihten sich Daniel Ricciardo (Red Bull) und Valtteri Bottas (Williams) ein. Ricciardo fehlten bereits 1,361 Sekunden auf Hamilton. Der Russe Daniil Kwat kam im zweiten Red Bull nicht über Platz 15 hinaus. Positiv überraschte dagegen der belgische Debütant Stoffel Vandoorne, der im McLaren den verletzten Fernando Alonso ersetzt, als Zwölfter. Sein englischer Stallkollege Jenson Button landete nur an der 14. Stelle.

Erwünschter Quali-Effekt will sich nicht einstellen

Der neue Qualifying-Modus, bei dem in jedem Abschnitt (Q1, Q2, Q3) nach einer Einrollphase der schlechteste Fahrer im 90-Sekunden-Takt ausscheidet, bewirkte wie bei seiner Premiere in Australien das Gegenteil des ursprünglichen Plans: Hektischen Phasen in der Frühphase jedes Abschnitts folgte minutenlange Leere auf der Strecke noch während der laufenden Session.

Viele Piloten stellten ihre Autos ab, weil ihre Reifen bereits zu stark abgenutzt waren – im alten System hatte es stets Aktivität bis zum Herunterticken der Uhr gegeben.

"Der Modus ist nach wie vor ein Griff ins Klo, der gehört abgeschafft", sagte Niki Lauda, Aufsichtsratschef des Mercedes-Teams, bei RTL. Vettel meinte er sei "ein bisschen gefahren" und habe dann "viel rumgesessen."

Im entscheidenden Q3 setzte Hamilton fünf Minuten vor dem Ende mit dem neuen Rundenrekord von 1:29,493 Minuten die Bestzeit, keiner der Rivalen war in der Lage, zu kontern. In den letzten drei Minuten des Qualifyings war die Strecke wie leergefegt.

Jean Todt, Präsident des Automobil-Weltverbands FIA kündigte am Samstagmittag an, dass bei einem Meeting zur erneuten Bewertung des Modus mit den Teamchefs und Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone am Sonntag "alles möglich" sei.

So stünden neben einer Rückkehr zum Vorjahres-Modus auch Modifikationen der "Reise nach Jerusalem" zur Debatte, wie das erst im Februar ausbaldowerte Eliminationsfahren auch genannt wird.

Ecclestone: Gas geben, Goschn halten

Die Fahrer hatten den Modus bereits vor der kurzfristigen Einführung bereits kritisiert, die Teams lehnten es nach dem ersten Versuch einstimmig ab. Dennoch wurde er noch beibehalten. Die zuständige Kommission konnte sich nicht einstimmig darauf einigen.

"Sie können sagen, was sie wollen. Sie können nichts machen", zitierten britische Medien Ecclestone. Damit meinte er die Piloten. "Man sollte ihnen nicht einmal erlauben zu reden. Sie sollten sich ins Auto setzen und fahren", sagte Ecclestone in Bahrain vor Journalisten.

"Welches Interesse haben die Fahrer, außer das Geld mitzunehmen aus dem Sport? Du gehst mit ihnen essen und sie bezahlen nicht mal die Rechnung", ergänzte der 85-Jährige.

Ecclestone machte erneut die Mercedes-Dominanz für die Misere der Königsklasse mitverantwortlich. "Das Problem, das wir jetzt haben ist, dass Mercedes so gut ist. Sie qualifizieren sich als Erster und Zweiter und beenden die Rennen auf eins und zwei."

Die Überlegenheit begann mit der Einführung der neuen sogenannten Power Units, Turbo-Motoren mit zusätzlichem Hybridantrieb. Die neuen Motoren würden die Formel 1 "langsam aber sicher zerstören", wiederholte Ecclestone auch seine Kritik an den neuen Triebwerken. (sid, APA, 2.4.2016)

Ergebnis

Qualifying

  • Lewis Hamilton startet am Sonntag in Sakhir von ganz vorne weg.
    foto: afp/ mohammed al-shaikh

    Lewis Hamilton startet am Sonntag in Sakhir von ganz vorne weg.

  • Andere sollen lieber nichts sagen, sagt Bernard Charles Ecclestone.
    foto: ap/crippa

    Andere sollen lieber nichts sagen, sagt Bernard Charles Ecclestone.

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