100. Flandernrundfahrt: Belgien hofft auf Van Avermaet

2. April 2016, 15:01
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30-Jähriger Lokalmatador will am Sonntag ersten großen Klassikersieg – Duell Cancellara vs. Sagan erwartet – Vier Österreicher mit von der Partie

Brügge – Fabian Cancellara und Tom Boonen fahren bei der 100. Auflage der Flandern-Rundfahrt am Sonntag (ab 12.30 Uhr/Eurosport) um den vierten Sieg – das wäre Rekord beim Klassiker der Klassiker. Das Duo führt die Erfolgsliste derzeit gemeinsam mit vier nicht mehr aktiven Profis an. Der Schweizer Cancellara (Team Trek) hat in seiner letzten Saison seine Topform jüngst bewiesen, dem ebenfalls 35-jährigen Belgier Boonen (Etixx) fehlt hingegen heuer noch ein Spitzenresultat. Ob er noch einmal für ganz Großes in der Lage ist, wird bezweifelt.

Als Topfavorit gilt allerdings Weltmeister Peter Sagan. Der Slowake nimmt 2016 den nächsten Anlauf zu einem Sieg bei einem Radsport-Monument, heuer gewann der 26-Jährige aus dem Team Tinkoff zum zweiten Mal in seiner Laufbahn den Klassiker Gent-Wevelgem. Wenn er keine taktischen Fehler begeht, führt der Sieg nur über ihn. In einer Umfrage der belgischen Zeitung Het Nieuwsblad setzten 25% der Teilnehmer Cancellara auf Platz eins, gefolgt vom Belgier Greg van Avermaet (19) und Sagan (16).

Interaktive Karte zum Parcours 2016

Die seit 1913 gefahrene "Ronde" führt im flämischen Teil Belgiens von Brügge über 255 km nach Oudenaarde. Mit ihren winkeligen Straßen, den acht schwierigen Kopfsteinpflasterpassagen und den 18 kurzen, aber steilen Anstiegen (davon dreimal der Oude-Kwaremont) zählt sie mit Paris-Roubaix am darauffolgenden Sonntag zu den härtesten Prüfungen. Die "Mauer von Geraardsbergen", eine der berühmtesten Passagen, ist bei der Jubiläumsausgabe allerdings nicht inkludiert. Laut Renndirektor Wim Van Herreweghe passt die "Muur" nicht in den Rhythmus des Rennens. Auf den letzten 150 Kilometern achte man darauf, mit rasch aufeinanderfolgende Kopfsteinpflasterpassagen eine Kontrolle des Geschehens zu erschweren. Einem möglichst spannenden Finale soll so der Boden bereitet werden.

"Pölstelberger: "Traum geht in Erfüllung"

Auch vier Österreicher stehen heuer auf der Startliste und allen sind Helferrollen zugedacht. Bernhard Eisel spricht von der Ronde als einem seiner liebsten Rennen. Doch nach einem Schlüsselbeinbruch vermag der 35-jährige Routinier seine Qualitäten noch nicht wie erhofft zur Geltung zu bringen. So stellt er sich beim Klassiker-Debüt für Dimension Data in den Dienst von Edvald Boasson Hagen.

Auch Marco Haller wird zwei Tage nach seinem 25. Geburtstag einen Norweger unterstützen. Alexander Kristoff tritt als Vorjahressieger an, befindet sich nach einer Erkrankung trotz Rang zwei bei den Drei Tagen von De Panne aber noch nicht in Höchstform. "Ich bin nicht der größte Favorit. Einige Prozente fehlen noch, im Vorjahr habe ich mich stärker gefühlt", erklärte der Katjuscha-Profi.

Kristoff stuft Cancellara, Van Avermaet und Sagan am höchsten ein. Auch letzterer hat wie schon bei Gent-Wevelgem einen Österreicher im Team. Michael Gogl (21) hat sich gleich in seinem ersten Profijahr im Tinkoff-Team etabliert und soll auch bei der "Ronde" Sagan unterstützen. Zumindest in der ersten Phase, denn ein so langes Rennen hat der Oberösterreicher noch nie absolviert.

Das gilt auch für seinen Landsmann Lukas Pöstlberger (24). "Wie da die Beine mitspielen, das ist die große Frage", sagte der Ex-Staatsmeister aus dem Bora-Team. Die Klassiker – Pöstlberger ist auch für Paris-Roubaix eine Woche später nominiert – haben ihn immer schon begeistert. "Nun starte ich selbst bei zwei der fünf Radsportmonumente. Da geht ein Kindheitstraum für mich in Erfüllung."

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So lief das Rennen im Vorjahr.

Van Avermaet wird, will er eindlich bei einem großen Klassiker siegen, Sagan und Kristoff vor einem möglichen Zielsprint abschütteln müssen. Heuer war er beim "Omloop Het Nieuwsblad", der Saisoneröffnung in Belgien die Nummer eins, setzte sich dabei im Finish gegen Sagan durch. Neben dem 30-Jährigen, der im Vorjahr Platz drei belegte, drücken die Belgier an ihrem inoffiziellen Nationalfeiertag Sep Vanmarcke (LottoNL-Jumbo), Jürgen Roelandts und Youngster Tiesj Benoot (beide Lotto-Soudal) besonders die Daumen.

Doch es liegt auch Schwermut über der Jubiläumsausgabe. Der Tod der belgischen Profis Antoine Demoité und Daan Myngheer in der Vorwoche hat die radsportverrückten Flamen und Wallonen in große Trauer versetzt, dazu steht das Land noch immer unter dem Eindruck der Terroranschläge von Brüssel.

Demoitiés Team Wanty-Groupe Gobert wird seinem verstorbenen Fahrer die Ehre erweisen. Zur Startzeremonie auf dem Grotemarkt in Brügge werden die Fahrer in speziellen T-Shirts erscheinen, und auf den Rädern soll der Schriftzug "RideForAntoine". "Das Einzige, was wir für Antoine – und auch für Daan – tun können, ist, ein Ergebnis zu holen, das sie stolz macht", sagte Wanty-Sportdirektor Hilaire Van Der Schueren. (APA, sid, red – 2.4. 2016)

Die Sieger der letzten zehn Jahre:

2006: Tom Boonen (Bel)
2007: Alessandro Ballan (Ita)
2008: Stijn Devolder (Bel)
2009: Stijn Devolder (Bel)
2010: Fabian Cancellara (Sui)
2011: Nick Nuyens (Bel)
2012: Tom Boonen
2013: Fabian Cancellara
2014: Fabian Cancellara
2015: Alexander Kristoff (Nor)

  • Trägt Belgiens Hoffnungen: Greg van Avermaet
    foto: apa/afp/belga/lalmand

    Trägt Belgiens Hoffnungen: Greg van Avermaet

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