Leseschwäche bei Schülern: Da ist nichts "sehr gut"

Kommentar1. April 2016, 17:43
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Es ist unverständlich, dass Heinisch-Hosek das österreichische Bildungssystem lobt

Nein, das öffentliche Bildungswesen funktioniert nicht "sehr gut". Man fragt sich, welche Zahlen Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) gelesen hat, bevor sie die Ergebnisse der Bildungsstandards mit diesen Worten kommentiert hat. Diese zeigen nämlich: 15 Prozent der Viertklässler in der Volksschule erreichen die Ziele in Deutsch nicht. Das sind mehr als 11.000 Schüler, die Schwierigkeiten haben, zu verstehen, was sie lesen, und auch massive Probleme beim Schreiben haben.

Es ist unverständlich, dass Heinisch-Hosek sich angesichts dieses Ergebnisses nicht besorgt zeigt und eine Reihe von Gegenmaßnahmen nennt, sondern das österreichische Bildungssystem lobt. Es stimmt, dass die Einführung der Bildungsstandards generell ein guter Schritt war, für den auch Heinisch-Hosek verantwortlich ist. Allein, es reicht nicht, nur die Daten zu erheben. Daraus müssen Konsequenzen gezogen werden.

Immerhin eine hat die Bildungsministerin genannt. Sie schlägt einen Sozialindex vor, also eine neue Art der Schulfinanzierung. Für Kinder mit sozial benachteiligten Eltern oder mit Migrationshintergrund würden Schulstandorte zusätzliches Geld bekommen. Das ist ein guter Vorschlag, ob er bald umgesetzt wird, ist höchst fraglich. Schließlich ist dieser Aspekt nicht im Entwurf für eine Bildungsreform enthalten, der im November präsentiert wurde. Da bis jetzt nicht einmal die bereits vereinbarten Punkte dieser Reform in einen Gesetzesvorschlag gemündet sind, würde eine völlige Neuaufstellung der Schulfinanzierung wohl sehr lange dauern. Neben dem Koalitionspartner müsste die Ministerin auch alle Landeshauptleute ins Boot holen.

Was wäre zu tun? Vor allem sollte das passieren, was Bildungspolitiker aller Lager immer wieder ankündigen, aber nicht umsetzen: Die Kindergärten müssen aufgewertet werden. Ein Vorschlag dafür ist das zweite verpflichtende Gratiskindergartenjahr. Das hat die Koalition allerdings verschoben. So bedeutsam wie in den Sonntagsreden dürften die Kindergärten für die Politiker doch nicht sein. Auch der von SPÖ und ÖVP geplante Bildungskompass, der Leistungen von Kindern vom Kindergarten bis zum Ende der Schullaufbahn dokumentiert, ist an sich eine gute Idee.

An Vorschlägen mangelt es also nicht, sondern an der Umsetzung. Damit das Bildungssystem tatsächlich "sehr gut" wird, sollte Ministerin Heinisch-Hosek nicht nur schönreden, sondern endlich handeln.(Lisa Kogelnik, 1.4.2016)

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