Russland-Strategie der OMV: Geopolitische Gratwanderung

Kommentar1. April 2016, 17:40
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Wien verhilft Moskau mit der Partnerschaft zu einem Achtungserfolg

Die OMV und die Gazprom sollen jetzt noch engere Partner werden, indem die Russen sich an Aktivitäten der Österreicher in der Nordsee beteiligen. Die Abgabe österreichischer Vermögenswerte, die sich ursprünglich auch im Tauschangebot für ein Engagement der OMV bei einem sibirischen Gasfeld befanden, war politisch nicht erwünscht. Das kann man gutheißen, handelte es sich doch um energiepolitisch nicht unbedeutende Bereiche wie Speicher, Pipelines oder die Raffinerie in Schwechat, die man Gazprom zu offerieren gedachte.

Die Empörung der SPÖ über einen angeblichen Ausverkauf oder eine Zerschlagung hat jedenfalls gefruchtet. Da bedurfte es gar nicht der Fragestellung, was Gazprom mit Minderheitsanteilen an Speichern oder Leitungen überhaupt anrichten könnte. Wegtragen wäre keine Option, auch andere standortschädliche Manöver sind angesichts der starken Regulierung der Infrastruktur kaum vorstellbar. Macht nichts, solange der Schlachtruf vom Ausverkauf zieht.

Wichtiger ist ohnehin die Frage, warum man sich überhaupt mit der Gazprom ins Bett legt. Immerhin handelt es sich um einen Staatskonzern des mit Sanktionen belegten Kremls. Auch wenn sich das Embargo nicht auf den Energiebereich erstreckt, sendet Österreich mit der Vertiefung der Kooperation ein starkes Signal. Krim hin oder her: Wien verhilft Moskau mit der Partnerschaft zu einem Achtungserfolg. Das macht viel böses Blut in einem Europa, das traditionell gespalten gegenüber Russland auftritt und sich nur äußerst mühevoll zu dem Embargo durchringen konnte.

Somit stellt sich die Frage, ob sich das Hofieren des Kremls wenigstens bezahlt macht. Eines scheint klar: Mit dem Sibirien-Engagement kann die OMV ihre Förderkapazitäten stark ausweiten und das Gas viel günstiger als aus anderen Regionen beziehen, während die Investitionskosten überschaubar sind. Allerdings begibt man sich auch in eine ziemliche Abhängigkeit, wenn zu den bestehenden Gazprom-Lieferungen nach Österreich nun zusätzliches russisches Gas hereinströmt.

Immerhin wird man mit dem Tauschgeschäft Anteile an den viel zu teuer erstandenen Nordsee-Aktivitäten los, die auch noch mit milliardenschweren Investitionsverpflichtungen belastet sind. Dadurch sinkt der Preis der strategischen OMV-Neuausrichtung deutlich. Sicherer als die geopolitisch riskante Gratwanderung der OMV wäre es freilich, Gas auf dem Markt zu kaufen. (Andreas Schnauder, 1.4.2016)

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