50 Jahre jugoslawische Gastarbeiter in Österreich

3. April 2016, 15:59
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An das Jubiläum des Anwerbeabkommens mit Jugoslawien erinnern ab Montag eine Videoinstallation an Wiener Bahnhöfen und eine Ausstellung im Filmcasino

"Sie sind ein Bestand unserer Stadt wie die Donau und der Stephansdom", sagte Helmut Zilk im Juni 1989 über die jugoslawischen Gastarbeiter. Diese und andere, ähnlich schmeichelnde Worte sprach der damalige Wiener Bürgermeister im Hanappi-Stadion anlässlich der 10. Arbeitersportspiele, einer bundesweiten Veranstaltung des Jugoslawischen Dachverbands.

Abkommen mit Jugoslawien 1966

Jugoslawische Arbeiter waren zu diesem Zeitpunkt seit knapp 30 Jahren die größte Migrantengruppe in Österreich. Seit Beginn der 1960er-Jahre kamen zehntausende junge Männer und Frauen, um vor allem auf Baustellen und in Fabriken zu arbeiten. Am 4. April 1966 wurde nach jahrelangen Verhandlungen mit der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien die bereits gelebte Realität offiziell gemacht: Das Abkommen zur Beschäftigung jugoslawischer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Österreich trat in Kraft.

An das 50-jährige Jubiläum des Anwerbeabkommens erinnern ab Montag eine Videoinstallation an zwei Wiener Bahnhöfen und eine Tagung samt Ausstellung im Filmcasino. Die Orte der Erinnerung wurden nicht zufällig gewählt. Der ehemalige Südbahnhof (jetzt Hauptbahnhof) und der Westbahnhof waren nicht nur Orte des Ankommens, sondern auch wichtige Treffpunkte für die Arbeiter aus dem ehemaligen Jugoslawien. Hier trafen sie sich, um Neuigkeiten aus der Heimat auszutauschen, aber auch, wenn sie auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle oder nach Hilfe bei Behördenwegen waren.

Filmcasino als neue Heimat

Etwas formeller war das Filmcasino, das der jugoslawischen Community zwischen 1979 und 1989 als Veranstaltungsort für kulturelle Aktivitäten diente. Hier zeigten die Arbeitervereine neue Kinofilme aus der alten Heimat und hielten Folkloretanz-Proben ab, hier trafen sich die Schiedsrichter der Sportvereine und die Lehrer für den muttersprachlichen Unterricht. Finanziert wurde der soziale Treffpunkt mithilfe des ÖGB und der jugoslawischen Gewerkschaft.

Vom 7. bis zum 26. April erzählt im Filmcasino die Ausstellung "Das Filmcasino als Heim der Jugoslawen" von zehn bewegten Jahren der jugoslawischen Community in Österreich. Am Haupt- und am Westbahnhof kann man vom 4. bis 10. April Videomaterial zur Geschichte der Arbeitsmigration sehen, unter anderem auch Helmut Zilks Rede aus dem Jahr 1989. (Olivera Stajić, 3.4.2016)

  • Männer und eine Frau mit ihrem Koffer in der Wartehalle am ehemaligen Südbahnhof, vermutlich Anfang der 1970er-Jahre.

    Männer und eine Frau mit ihrem Koffer in der Wartehalle am ehemaligen Südbahnhof, vermutlich Anfang der 1970er-Jahre.

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