Julya Rabinowich: Drei Schwestern

Kolumne1. April 2016, 16:03
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Drei Neuerscheinungen im Bücherfluss: entsetzliche Mutter-Kind-Verbindung, Freudenau-Sonderling und Verheiratung nach Saudi-Arabien

Das Leben ist ein ruhiger Bücherfluss, der ab und zu osmotisch von Kollegin zu Kollegin schwappt. Während der Leipziger Buchmesse hatte ich reichlich Gelegenheit, Neuerscheinungen kennenzulernen, während ich dabei war, meine Neuerscheinung anderen reinzuwürgen.

Drei will ich unbedingt empfehlen. Bettina Spoerri und ihr Roman "Herzvirus": eine sensibel erschreckende, zarte Schilderung einer entsetzlichen Mutter-Kind-Verbindung – auf der einen Seite die Mutter, die nach und nach in eine Fantasiewelt entschwindet, in die sie ihre fortschreitende seelische Erkrankung lockt. Auf der anderen das staunende, geliebt werden und lieben wollende und um das Begreifen ringende Kind, dessen eigene Innenwelt dadurch auf eine harte Probe gestellt wird.

Marjana Gaponenko, die ihrer Kutschenleidenschaft buchstäblich Nachdruck verlieh in dem Roman "Das letzte Rennen", in dem sie einen skurrilen Sonderling in der Freudenau ansiedelt, der dort trotzig dem Niedergang des Pferderennens und den Zeiten, die sich ändern, trutzt – bis in die Demenz hinein. Und dann sind da noch sein Sohn, Kaspar, und ein Unfall, der sein Leben verändern wird.

Die Dritte im Bunde ist die Übersetzerin Rasha Khayat, die ihr Debüt "Weil wir längst woanders sind" über das Geschwisterpaar Basil und Leyla verfasst hat, mit einem drängend dringenden Thema, mit einem sehr bewussten, eigenwilligen Blick auf das Geschehen: Was bewegt eine junge, unabhängige Frau dazu, sich ganz bewusst für eine Verheiratung nach Saudi-Arabien zu entscheiden? (Julya Rabinowich, 2.4.2016)

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