Nahrungsvorlieben spielen für Stichlinge größere Rolle als die Artgrenze

4. April 2016, 09:00
posten

Österreichische Biologin führte eine Reihe Experimente zum Schwarmverhalten durch

Wien/Lincoln – in gemischten Fischgesellschaften werden offenbar unerwartete Prioritäten gesetzt: Für Stichlinge scheint nicht die Artzugehörigkeit die größte Rolle zu spielen, in wessen Gesellschaft man sich am liebsten aufhält – es hängt eher davon ab, ob man dieselbe Nahrung bevorzugt. Das zeigte eine österreichische Biologin in einer im Fachjournal "Behavioral Ecology and Sociobiology" veröffentlichten Arbeit. Die Tiere können sich offensichtlich – im wahrsten Wortsinn – besser riechen, wenn sie gleiches Futter fressen.

Die Ausgangslage

Dreistachelige Stichlinge (Gasterosteus aculeatus) und Neunstachelige Stichlinge (Pungitius pungitius) kommen in den selben geographischen Gebieten vor und leben in den selben Gewässern. Exemplare beider Arten hat die aus Österreich stammende Biologin Tanja Kleinhappel von der University of Lincoln (Großbritannien) in einem Fluss in der Gegend ihrer Uni gefangen und im Labor in Aquarien gehalten. Dabei erhielten Individuen beider Arten in unterschiedlichen Aquarien über einen bestimmten Zeitraum unterschiedliches Futter, in der einen Hälfte der Aquarien rote Mückenlarven, in der anderen Hälfte Wasserflöhe.

Nach einiger Zeit wurden die Tiere in kleinen Schwärmen mit jeweils drei Fischen beobachtet. "Wichtig dabei war, dass die Fische immer aus verschiedenen Aquarien stammten und daher nicht miteinander vertraut waren", erklärte Kleinhappel. Zudem bestanden die Gruppen immer aus zwei Individuen der gleichen und einem der anderen Art. Teilweise hatten sie zuvor alle die gleiche Nahrung erhalten, teilweise unterschiedliche.

Ergebnisse und Interpretation

"Die Beobachtungen haben gezeigt, dass bei Fischen, die alle das gleiche Futter erhalten hatten, keine Vorlieben für die gleiche oder andere Art vorhanden waren", sagt Kleinhappel. In den Gruppen, die unterschiedlich gefüttert wurden, schwammen die Fische lieber mit artfremden Individuen zusammen, die die gleiche Nahrung erhalten hatten, als mit Artgenossen, die andere Nahrung erhalten hatten.

Kleinhappel schließt die Möglichkeit aus, dass das beobachtete Verhalten durch visuelle oder andere nahrungsunabhängige Hinweise gesteuert wird. Sie geht davon aus, dass die Schwarmbildung durch ernährungsbedingte chemische Signale – und damit über den Geruchssinn – vermittelt wird. Sie konzentrieren sich in ihrer weiteren Arbeit dabei auf freie Aminosäuren. Frühere Untersuchungen hätten gezeigt, dass die in der Schleimhaut der Fische vorkommenden freien Aminosäuren stark von der jeweiligen Nahrung abhängen.

Dass sich Fische zusammentun, die einander "gut riechen" können, könnte auch dem Schutz dienen. "Von ähnlich riechenden Fischen umgeben zu sein, schützt ein Individuum gegen Raubtiere, die bestimmte chemische Suchmuster verwenden, um ihre Beute zu erfassen", so Kleinhappel. (APA, red, 3. 4. 2016)

Share if you care.