Gruß aus der Küche

Kolumne1. April 2016, 17:00
6 Postings

Diese Kolumne schmeckt am besten mit Sauce tartare

Man muss nicht immer einen Besen fressen. Kollege Dana Milbank von der Washington Post hat vor sechs Monaten versprochen, er werde "seine Kolumne essen", wenn der narrische Baumeister Donald Trump zum Präsidentschaftskandidaten der US-Republikaner gekürt wird ("Trump will lose, or I will eat this column"). Damals war Milbank überzeugt: "Die Amerikaner sind besser als Trump."

Nun, vielleicht hat er sich getäuscht. Offizieller Kandidat ist Trump zwar noch nicht, aber die Chancen, dass er es werden könnte, sind inzwischen so gut, dass Milbank die Leser seines Blattes schon einmal vorsorglich um Vorschläge bittet, wie sich der 42 Zentimeter lange Streifen "toxischen Zeitungspapiers", auf dem seine Kolumne abgedruckt wird, zubereiten ließe.

Ein paar Rezepte aus aller Welt sind bereits eingegangen, etwa die "Knusprigen Knödel" aus China ("Zeitungsartikel mit Schweinefleisch, Zitronengras und Gewürzen zu einer Knödelfülle verarbeiten") oder mexikanische Zeitungstacos ("Innenseite der Tacos mit Zeitungspapier auslegen"). Der Krisenkolumnist steht nicht an, Kollege Milbank ein klassisches österreichisches Zeitungsrezept ("Kolumne gebacken nach Wiener Art") zu verraten: Die Kolumne ausschneiden, in Mehl, Ei und Bröseln wälzen und in heißem Schweinefett herausbacken. Mit reichlich (!) Sauce tartare servieren.

Abgesehen vom Kulinarischen hat die Idee von Dana Milbank auch sonst Charme: Zeitungsleute, die für den Wahrheitsgehalt ihrer Vorhersagen einstehen, indem sie sich bei Fehlprognosen zum Strafverzehr von Zeitungspapier verpflichten, stärken die Leser-Blatt-Bindung und wirken dem Vorwurf der "Lügenpresse" entgegen. Der Krisenkolumnist verbindet daher seine heutige Prophezeiung ("Die Österreicher wählen Richie Lugner nicht zum Bundespräsidenten") mit dem Versprechen, dass er eine gesamte Samstagsauflage des Standard mit Butz und Stingl aufisst, falls Lugner doch gewählt werden sollte.

Kleine Schlussanmerkung: Printjournalisten tun sich mit dem Papierschluck-Versprechen natürlich leicht. Online-Kollegen sollten sich stattdessen vielleicht verpflichten, dass sie eine Computermaus verspachteln, bei TV-Journalisten täte es das Versprechen: "... dann fress' ich die Live-Kamera vor mir." Hauptsache ist jedenfalls, es nützt der Glaubwürdigkeit. (Christoph Winder, Album, 1.4.2016)

Share if you care.