OMV bietet Gazprom Beteiligung an Nordsee-Aktivitäten an

1. April 2016, 16:52
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Tauschgeschäft für eine sibirische Gasfeld-Beteiligung betrifft keine Assets in Österreich

Die OMV hat mit der Gazprom einen Deal gemacht, der ihr gleich zwei Probleme vom Hals schaffen soll. Während die Österreicher mit einer Beteiligung am sibirischen Feld Achimow an billiges Gas herankommen wollen, treten sie nach den Plänen einen Minderheitsanteil der Aktivitäten in der Nordsee an die Russen ab. Dort produziert die OMV Öl nicht nur teuer, sondern hat sich zu Investitionen von sieben Milliarden Euro verpflichtet. Dieses Vorhaben, das heuer finalisiert werden soll, haben OMV-Generaldirektor Rainer Seele und Gazprom-Chef Alexej Miller am Freitag in St. Petersburg bekanntgegeben.

Die OMV hat 2015 wegen des niedrigen Ölpreises Wertberichtigungen in Milliardenhöhe vornehmen müssen und auch in der Nordsee, wo 2013 kräftig zugekauft wurde, massive Abschreibungen vorgenommen. Warum die Gazprom dann scharf auf die hauptsächlich in Norwegen stattfindenden Aktivitäten ist? Laut Seele sind für den Partner die Expansion im Ölbereich, der gegenüber Gas eine untergeordnete Rolle spielt, und die geografische Diversifikation in die Nordsee interessant. Dort werden derzeit 60.000 Fass pro Tag gefördert, etwas weniger als bei der geplanten Beteiligung Achimow.

Strategische Bedeutung

Die strategische Bedeutung des Unterfangens wurde durch die Anwesenheit von Finanzminister Hans Jörg Schelling, des russischen Energieministers Alexander Novak und dessen Amtskollegen aus Abu Dhabi, Suhail Al Mazrouei, untermauert. Die staatliche Ipic aus dem Emirat ist ebenso wie Österreich an der OMV beteiligt.

In Österreich hat das Sibirien-Vorhaben hohe Wellen geschlagen, weil ursprünglich auch industriepolitisch bedeutsame Bereiche wie Gasspeicher oder die Raffinerie in Schwechat als Tauschgeschäft zur Debatte standen. Die SPÖ hatte nach Bekanntwerden entsprechender Gerüchte eine Ausverkaufsdebatte angezettelt. Ob dadurch beeinflusst oder nicht: Die Russen werden nun keine österreichischen OMV-Assets erhalten, wie Schelling in St. Petersburg klarstellte. Das sei industriepolitisch nicht erwünscht.

Einen Seitenhieb auf den Koalitionspartner konnte sich der Ressortchef nicht verkneifen, der die "politischen Zurufe" aus der SPÖ kritisierte und von Tendenzen zur Reverstaatlichung sprach. Konkret nannte Schelling SPÖ-Klubchef Andreas Schieder und die frühere Staatssekretärin Brigitte Ederer, die im STANDARD vor einer Zerschlagung der OMV gewarnt hatte. Derartige Äußerungen seien schädlich und erweckten den Eindruck, dass sich die Politik in die operativen Belange der Staatsbeteiligungen einmische.

Unterstützung aus Abu Dhabi

Unterstützt werde die engere Kooperation mit Gazprom auch von Abu Dhabi, wie Al Mazrouei bestätigte. Ipic hat in strategisch wichtigen Fragen Zustimmungsrechte, die in einem Syndikatsvertrag mit der österreichischen Staatsholding Öbib geregelt sind. Eine Neufassung des zwölf Jahre alten Abkommens wird gerade ausverhandelt. Strittige Punkte sollen der maximale Anteil des Emirats an der OMV und Fragen der Aufsichtsratsbestellung (gewesen) sein. Schelling sprach von "technischen Details", die noch geklärt werden müssten, im Grundsatz sei man sich einig.

Die Erwartungen für die OMV, die sich den Sibirien-Einstieg wegen hoher Wertberichtigungen und Verschuldung nicht leisten kann oder will und deshalb den Asset-Tausch verfolgt, sind groß: Mit 70.000 Fass pro Tag will der Konzern künftig knapp ein Viertel seiner Produktion mit günstigen Lieferungen aus Sibirien decken, wo Öl und Gas in 3500 Meter Tiefe gefördert werden. Die politischen Risiken eines Engagements in Russland stellten Schelling und Seele als überschaubar dar. Auch der Umstand, dass Gazprom die Preise für die Lieferungen diktiert, ist für den OMV-Chef nicht ungewöhnlich. (Andreas Schnauder aus St. Petersburg, 1.4.2016)

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Reise nach St. Petersburg erfolgte auf Einladung der OMV.

  • Österreichische Vermögenswerte der OMV sollen nicht an Gazprom gehen.
    foto: apa/epa/robert jaeger

    Österreichische Vermögenswerte der OMV sollen nicht an Gazprom gehen.

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