Frauen als Gründerinnen gegen den "Boys Club"

4. April 2016, 09:00
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Warum sind so wenige Gründer weiblich? Wie kann sich das ändern? Darüber wurde an der WU Wien unlängst kontrovers diskutiert

Nur rund 15 Prozent aller Gründer in Österreich sind weiblich. Die Ursachen dafür – und die Herausforderungen, die Frauen im Start-up-Bereich meistern müssen – galt es an der Wirtschaftsuni Wien zu diskutierten. Auf dem Podium saßen die Gründerinnen: Beate Wachter (I am beauty), Lucia Laggner (Gschickter Wein), Tanja Sternbauer (Startup Live), Elisabeth Oberndorfer (Digitalista) und Annemarie Harant (Erdbeerwoche).

Zu wenige Vorbilder

Als einen wichtigen Grund für den niedrigen Frauenanteil in der Start-up-Szene machen die Podiumsgäste zunächst fehlende Role-Models aus. Auch der geringe Anteil weiblicher Investorinnen sei eine Hauptursache. Man investiere eher in das "frühere Ich", heißt es, Männer also lieber in Männer. "Die Start-up-Szene ist ein großer Boys Club", sagt Oberndorfer – was zu bestimmten Mustern und Umgangsformen führe und dazu, dass frau "sich oft Scheißkommentare anhören" müsse, wie es Laggner ausdrückt. Denn würden sich Männer doch entscheiden, Frauen zu fördern, hätten sie beispielsweise keine Hemmungen, nach deren Familienplanung zu fragen. "Beim Vorstellungsgespräch darf man zu dieser Frage schweigen, beim Treffen mit Investoren ist das etwas anders", sagt Wachter. Einig sind sich die Podiumsgäste deshalb: Frauen brauchen im Start-up-Bereich ein verdammt gutes Durchhaltevermögen.

foto: wu wien
Im Gründungszentrum der WU Wien diskutierten (v.li.): Elisabeth Oberndorfer (Digitalista), Tanja Sternbauer (Startup Live), Lucia Laggner (Gschickter Wein), Beate Wachter (I am beauty) und Annemarie Harant (Erdbeerwoche).

Bloß nicht emotional werden?

"Und welche Charaktereigenschaften können helfen, um zu bestehen?", wollte der Moderator wissen. "Dass wir Frauen von Natur aus eher zurückhaltend sind, ist jedenfalls nicht gut", sagt Sternbauer. "Wir sollten nicht davor zurückschrecken, uns wie die Männer ins Rampenlicht zu stellen." Zudem sei es wichtig, sich auf die Gesprächsmanier der Männer einzustellen. Dass sich Frauen in Gesprächen am besten übermäßig sachlich und wenig emotional zeigen sollten, glaubt auch Laggner: "Es darf nicht menscheln." Sie schreibt geschlechterspezifische Persönlichkeitseigenschaften allerdings nicht der Biologie zu, sondern der Übernahme gesellschaftlich erwünschter Verhaltensweisen.

Guter Rat: Just do it!

Gefragt nach einem Rat für Gründungswillige, legen die Podiumsdiskutantinnen Frauen ans Herz, sich insgesamt "weniger zu scheißen" (Laggner), den eigenen Weg zu gehen, dabei auch Risiken zu wagen. Wachter: "Der Rest wird sich schon ergeben." Frau wie Mann sollte die eigene Idee im Gespräch mit anderen testen, Erfahrungen aufsaugen. In der Szene selbst gelte es, sich gut verkaufen zu lernen – nach dem Motto "Fake it until you make it" – und möglichst oft den Mund aufzumachen. Wichtig sei auch ein gutes Netzwerk: Gründerinnen sollten sich mit Leuten umgeben, die "ähnlich ticken", sagt Harant, die "einen gewinnen sehen wollen". Wichtig auch: Männer als Unterstützer zu gewinnen. Aber soll frau sie sich auch ins Team holen? Ja, meinen die fünf Unternehmerinnen – denn nicht auf das Geschlecht, sondern auf die Fähigkeiten komme es an. (Lisa Breit, 4.4.2016)

  • Was brauchen Gründerinnen? Diskutanten an der WU Wien sind sich einig: Vor allem ein verdammt gutes Durchhaltevermögen.
    foto: ho

    Was brauchen Gründerinnen? Diskutanten an der WU Wien sind sich einig: Vor allem ein verdammt gutes Durchhaltevermögen.

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