Selbstläufer für die Schlacht in der Lagune

1. April 2016, 10:07
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Österreich-Team für Biennale Venedig: Christa Steinle, Brigitte Kowanz, Erwin Wurm

Wien – Über das "Reagieren" oder "Nichtreagieren" auf Architektur werden sich die Beteiligten in den nächsten Monaten wohl noch auszutauschen haben.

Aber der Reihe nach: Am Freitag wurde mit Christa Steinle nicht nur die von Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) bestellte Kommissärin für den Österreich-Pavillon der 57. Kunstbiennale Venedig (13. Mai bis 26. November 2017) vorgestellt. Nein, die frischgebackene Kuratorin, bis 2011 Leiterin der Neuen Galerie in Graz, servierte auch prompt die Künstler dazu. Schließlich hatte sie mit diesem Konzept auch den Minister maßgeblich "beeindruckt". Also wozu noch Monate warten?

Ihr Konzept habe ihn so überzeugt, dass es alle anderen (zehn teils auf Einladung, teils eigeninitiativ eingereichte Papiere) ausgestochen habe, machte Ostermayer neugierig. Wie schaffe man es, in dem Überfluss an Eindrücken bei einer Biennale noch Aufmerksamkeit zu erfahren? Mit der Antwort auf diese Frage konnte Steinle also punkten. Ihre Lösung fiel allerdings weniger überraschend aus und erntete eher stumme "Ahas" als "Ohos": Steinle setzt mit Brigitte Kowanz und Erwin Wurm auf zwei international überaus erfolgreiche Künstler, obendrein sind beide österreichische Staatspreisträger. Und damit bleibt die zuletzt wieder rege diskutierte Frage, wann endlich einmal eine Frau alleine den Hoffmann-Pavillon bespielen werde, weiter offen.

Potenzial des Renommees

Warum sie derart renommierte, längst in Museen in aller Welt ausstellende Positionen ausgesucht hat, begründet Steinle damit, dass Venedig eine Bühne für Kunstschaffende sei, die "am Höhepunkt ihrer Schaffenskraft" stehen. Zähle auf einer Großveranstaltung wie der Biennale Aufmerksamkeit mehr, als ein Statement zu setzen? "Nein." Vielmehr hätten diese Künstler "das größtmögliche Potenzial dafür".

Mit Biennale-Leiterin Christine Macel verbindet Steinle übrigens eine gemeinsam kuratierte Ausstellung: eine Wurm-Personale! 2002 war diese auch in Paris zu sehen. "Danach ist Wurm zum Selbstläufer geworden." Als Gemeinsamkeit von Kowanz und Wurm sieht Steinle ihre Arbeit "an der Schnittstelle zu Architektur". Kowanz habe den Bildbegriff immateriell in Richtung Licht erweitert, Wurm den Skulpturenbegriff insbesondere performativ erweitert.

An ein kooperatives Projekt der beiden habe man jedoch nicht gedacht. "Pavillon: Erwin Wurm, Licht-Pavillon: Brigitte Kowanz", verrät der Pressetext. Auch die Künstler selbst, insgesamt eher reserviert, halten sich bedeckt. Nur eins verrät Erwin Wurm: "Ich werde nicht auf die Architektur des Pavillons reagieren." Das täte er in seinem Werk nie, sagt Wurm, der bereits dem Mumok ein Haus, einem Hotel ein Schiff aufgesetzt hat. Diese Aussage war für Steinle neu, räumt sie nach der Pressekonferenz ein. So oder so, Architektur wird Thema sein. Überraschungen könnte es also am Ende doch noch geben. (Anne Katrin Feßler, 1.4.2016)

  • Die Künstler Erwin Wurm und Brigitte Kowanz, Kommissärin Christa Steinle und Kulturminister Josef Ostermayer.
    foto: apa/pfarrhoferr

    Die Künstler Erwin Wurm und Brigitte Kowanz, Kommissärin Christa Steinle und Kulturminister Josef Ostermayer.

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