Bessere Performance mit mehr Frauen?

6. April 2016, 09:00
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Immer wieder berufen sich Studien auf den Appell zum Technikstudium zwecks besserer Aufstiegschance

Wenn es so klar und einfach wäre mit der Kausalität: Die klare Ursache (mehr Frauen in der Führung) bringt als messbares Ergebnis sofort mehr Unternehmenserfolg (finanzielle und organisationale Kennzahlen). Michaela Gstrein und Susanne Kirchner haben für das IHS eigene sowie nationale und internationale Studien zur Frage der Korrelation von mehr Frauen in der Führung und besserer Unternehmensperformance durchgeackert. Ihr Fazit: "Unabhängig von der betrachteten Studie, angewandten Methodik und dem verwendeten Datensatz ist der Trend eindeutig: Es zeigt sich ein positiver Zusammenhang zwischen mehr Frauen in Führungspositionen und dem finanziellen Erfolg von Unternehmen. Wobei (...) trotz der errechneten Korrelation nicht von einer Kausalität ausgegangen werden kann."

foto: ho

Kein klares "Weil"

"Beschäftigen bessere Unternehmen mehr Frauen oder arbeiten Frauen lieber für erfolgreiche Unternehmen oder verbessern Frauen die Performance von Unternehmen?", hinterfragt Stefano Natella, Leiter Global Equity Research im Investmentbanking der Credit Suisse (CS), die Ergebnisse seiner Studie: Ihnen zufolge führen mehr Frauen im Senior-Management zur Verbesserung des Finanzergebnisses und zu höheren Aktienmarktrenditen. Angesehen hat sich die CS global 3000 Börsenunternehmen in der hauseigenen Datenbank, 28.000 Führungskräfte, davon 3700 Frauen wurden gescreent. Und eine Outperformance von Unternehmen zwischen 2,5 und fünf Prozent – je nach Betrachtungszeitraum – wurde gefunden. Wo Frauen im Verwaltungsrat sitzen, ist die Eigenkapitalrendite höher, dort erwarten Anleger höhere Wertschöpfung aus vorhandenem Vermögen (höhere Kurs-Buchwert-Verhältnisse). Beträgt der Frauenanteil im Top-Management mindestens zehn Prozent, dann wird an die Aktionäre mehr ausgeschüttet (höhere Pay-out-Ratio).

Besseres Abschneiden mit Frauen erwiesen

So weit die Beobachtungen. Kausalitäten lassen sich nicht nachweisen, auch wieder nur Korrelationen errechnen. Das verschafft Untersuchungen, die sich auf Nichtkausalität berufen, wie jener von WU-Professor Werner Hoffmann, auch wieder ihren Auftritt: Ein ausgewogener Frauenanteil im Aufsichtsrat von heimischen Unternehmen im Leitindex ATX garantiere keinen Unternehmenserfolg. Wobei, wie die beiden Forscherinnen Gstrein und Kirchner für das IHS fest stellten, alle Studien im Kontext gesehen werden müssen. Nach welchen Hauptkriterien die Organisationsleistung bewertet wird, ist ja auch nicht unerheblich. McKinsey zog 2007, als "Women Matter" erstmals für Schlagzeilen sorgte, Führung, Richtung, Umfeld und Werte, Verantwortlichkeit, Fähigkeiten, Koordination und Kontrolle, Motivation, Innovation und Außenorientierung heran. Es stellte sich heraus, dass Unternehmen, in denen mehrere Frauen in oberen Positionen vertreten sind, bei jedem Kriterium besser abschneiden. Besonders ausgeprägt dort, wo mindestens drei von zehn Top-Management-Positionen in Frauenhand sind. Aktuelle Untersuchungen etwa von EY finden eindeutige Korrelationen zwischen starkem Wachstum einer Firma und aktiver Frauenförderung.

foto: istock

Frauen in die Technik

Zurück zur Credit-Suisse-Untersuchung: Ihr zufolge stehen branchenbezogene, kulturelle, arbeitsplatzbezogene und strukturelle Hindernisse Frauen im Weg. Die branchenbezogenen und kulturellen werden als die hartnäckigsten bewertet. Dass weltweit die Frauen nach oben kaum vorankommen (außer es gibt Quoten), begründet die CS-Untersuchung wie eine große Menge anderer Studien auch damit, dass nur wenige Frauen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (Mint) studiert haben und jene, die zu den wenigen Mint-Absolventinnen zählen, nach dem Studium oft in andere Branchen wechseln, was zu einer "chronischen Unterrepräsentation von Frauen in Bergbau, Öl, Gas sowie Maschinenbau führt". Chancen für Frauen ortet die CS in "der Entwicklung neuer, weniger konservativer Sektoren". (Karin Bauer, 6.4.2016)

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