Innungsmeister: "Holz wurde nichts zugetraut"

Interview3. April 2016, 12:00
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Innungsmeister Richard Rothböck sieht noch sehr viel Potenzial für den Holzbau in Österreich, weiß aber auch, was ihn hemmt: uneinheitliche Bauordnungen.

STANDARD: Einige Bundesländer lockern die Bauordnungen und setzen auf Holz, um schnellstmöglich Behausungen für Asylberechtigte zu schaffen. Fürchten Sie da nicht eine Stigmatisierung des Holzes als "billiger" Baustoff?

Rothböck: Nein, ich sehe das vielmehr als eine Auszeichnung für das Holz. Es hat ja diverse Versuche gegeben, etwa mit Containern. Dagegen hat sich Holz eindeutig als billiger und schneller verfügbar erwiesen. Bei den Holzbauten für Asylberechtigte in Salzburg ist außerdem angedacht, dass man diese Häuser saniert und auf den Stand laut Bauordnung bringt, sobald sie nicht mehr nötig sind.

STANDARD: Diese Erleichterungen hätte auch der "normale" Wohnbau sehr gerne. Holzbau-Verfechter klagen hierzulande oft über strenge Brandschutznormen etc. Ist Besserung in Sicht?

Rothböck: Leider ist noch nicht in allen Bundesländern die OIB-Richtlinie 6 umgesetzt worden. Ausgerechnet in Salzburg, wo ich herkomme, fehlt das noch – das tut mir am meisten weh. Ich bin aber zuversichtlich, dass das bald passiert. Allerdings gibt es dann auch von dieser Richtlinie länderweise Abweichungen und Zugaben.

STANDARD: Dabei wären gerade für den Holzbau mit seinem hohen Vorfertigungsgrad einheitliche Regelungen extreme Erleichterungen.

Rothböck: Ja, und einige österreichische Holzbauer sind auch deshalb etwa in England stark vertreten, weil es dort nicht so strenge Vorschriften gibt. Die hemmen den Holzbau in Österreich, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass Holz bei uns anders brennt als in Frankreich oder England. Wir müssen schauen, dass es hier zu Erleichterungen kommt, die gleichzeitig die Qualität in keiner Weise schwächen. Gerade beim Brandschutz ist das möglich. Es brennt normalerweise nicht das Haus oder die Wohnung, sondern die Einrichtung, der Teppich, der Vorhang. Das kann man mit Sprinkleranlagen alles absichern, ohne dass man Mehrkosten hat. In Wien baut man so jetzt einen 24-stöckigen Holzturm ("HoHo" in der Seestadt Aspern, Anm.).

STANDARD: Beim "HoHo" wird man aber von außen nicht viel Holz sehen. Und in England werden teilweise Ziegelmauern vor Holzbauten gesetzt.

Rothböck: Beim "HoHo" muss man natürlich aus Gründen des Brandschutzes und der Tragfähigkeit mit Holz-Verbund arbeiten. Aber wenn man sich international umschaut, sieht man, dass man noch sehr viel mehr mit Holz bauen könnte. Im Hotel- und Gastronomiebereich wird das teilweise schon gemacht, wegen der kurzen Montagezeit. Man hat dem Holzbau in Österreich lange nichts zugetraut, weil er zu bodenständig war und zu wenig industrielle Vorfertigung hatte.

STANDARD: Gutes Stichwort: Es heißt oft, dass die österreichische Holzwirtschaft so klein strukturiert sei, dass ein Holzbauboom gar nicht beliefert werden könnte.

Rothböck: Das sehe ich nicht so. Wir sind mit den Bundesforsten und privaten Waldverbänden in engem Kontakt, von dort kommt stets die Feststellung, dass Holz noch viel mehr verwendet werden könnte als derzeit. Wir sehen keinerlei Verknappung des Holzes.

STANDARD: Teilweise muss aber Holz importiert werden.

Rothböck: Ja, aber was von Russland, Rumänien oder Skandinavien kommt, das ist nicht die Masse. Im konstruktiven Holzbau in Österreich werden auch hauptsächlich heimische Hölzer verwendet. (3.4.2016)

Richard Rothböck (69) ist Bundesinnungsmeister Holzbau in der Wirtschaftskammer Österreich und führt einen Holzbau-Familienbetrieb mit zwölf Mitarbeitern in Salzburg. Mitte des heurigen Jahres wird er seine WKÖ-Funktion nach elf Jahren übergeben.

  • In London wird mit österreichischer Beteiligung am weltgrößten Holzmassivbau gearbeitet. Die Pläne stammen vom britischen Architekten Andrew Waugh.
    visualisierung: waugh thistleton architects

    In London wird mit österreichischer Beteiligung am weltgrößten Holzmassivbau gearbeitet. Die Pläne stammen vom britischen Architekten Andrew Waugh.

  • Weil es England ist, wird allerdings eine nichttragende Backsteinfassade davorgesetzt. Im Sommer soll alles fertig sein.
    foto: daniel sherling, ramboll

    Weil es England ist, wird allerdings eine nichttragende Backsteinfassade davorgesetzt. Im Sommer soll alles fertig sein.

  • Innungsmeister Richard Rothböck: "Holz wurde nichts zugetraut"
    foto: wkö

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