Ein Tesla für die Massen: Elektroauto Model 3 enthüllt

1. April 2016, 06:46
1582 Postings

Laut Firmenchef Elon Musk binnen 24 Stunden 115.000 Vorbestellungen

Los Angeles/Palo Alto – Solchen Hype erzeugt sonst nur Apple mit neuen iPhones: Unter tosendem Applaus enthüllte Tesla-Chef Elon Musk am Donnerstagabend das Elektroauto, mit dem er den Massenmarkt erobern will. Das Model 3 ist ein Fünfsitzer, der in der Basisvariante eine Reichweite von 345 Kilometern hat und in sechs Sekunden von null auf 60 Meilen (knapp 97 Kilometer) pro Stunde beschleunigt.

"Ein fantastisches Auto", sagte Musk und erntete bei der Präsentation in Hawthorne bei Los Angeles Standing Ovations. Die Premiere ist nicht nur entscheidend für Tesla, sondern möglicherweise auch für die Zukunft der Elektromobilität.

Auslieferung frühestens Ende 2017

Nicht nur bei den Tesla-Fans, auch bei Analysten ist die Aufregung groß. Der Wagen habe "das Potenzial, den Gesamtmarkt für Elektroautos dramatisch auszuweiten", erklärte die Investmentbank Goldman Sachs kurz vor dem Event. Tatsächlich reißen sich die Käufer um das Model 3 – innerhalb von 24 Stunden gingen laut Musk 115.000 Vorbestellungen ein. Das sind mehr, als es bisher überhaupt an Tesla-Besitzern gibt. Die Käufer müssen sich aber gedulden – ab Ende 2017 soll das Auto ausgeliefert werden, und Tesla verspätet sich gerne.

tesla

Wie ist die Euphorie zu erklären? "Mit dem Tesla 3 hat das Elektroauto die Chance, in die Mittelklasse vorzudringen", sagte der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen. Das Besondere an der Premiere: Bisher ist Tesla mit dem Model S und dem Luxus-SUV Model X ausschließlich mit teuren Premiumangeboten vertreten. Der Fahnenträger des Elektroantriebs liefere im Grunde nur Spielzeug und Statussymbole für Reiche, spotteten deshalb Kritiker. Das ändert sich nun.

Kosten sinken um mehr als Hälfte

Mit 35.000 Dollar (umgerechnet 31.000 Euro) kostet das Model 3 weniger als die Hälfte der anderen Tesla-Modelle – und zwar vor Abzug staatlicher Vergünstigungen. Damit würde Tesla sogar den bisher schärfsten Konkurrenten Chevrolet Bolt EV von General Motors unterbieten, der ebenfalls eine Reichweite von mehr als 300 Kilometern hat und nominal gut 37.000 Dollar kosten soll. Der Förderrabatt für Elektroautos in den USA liegt bei etwa 7.500 Dollar.

Bisher fristen Elektroautos ein Nischendasein auf dem Automarkt. 2015 hatten nur 0,3 Prozent der 17,5 Millionen verkauften Neuwagen in den USA einen E-Antrieb – wenige zehntausend Stück. Durch regulatorische Vorschriften ist allerdings programmiert, dass die Bedeutung zunimmt. Teslas Model 3 und der Chevrolet Bolt stellen eine Art Nagelprobe für die Massenmarkttauglichkeit des Elektroantriebs dar.

Auf Tesla setzt die Fachwelt vor allem wegen der Strahlkraft der Marke. Selfmade-Milliardär Musk, der sein Vermögen als Mitgründer des Bezahldiensts Paypal gemacht hat, ist ein Superstar des Silicon Valley, bei Fans genießt er Kultstatus, und auch die Investoren feiern ihn. Das Unternehmen gebe dem Elektroauto eine wirkliche Bühne, sagt Dudenhöffer. "Dabei hat Tesla gezeigt, dass man als Start-up der Branche wirklich einen innovativen Impuls geben kann."

Der Hype geht weiter

Kurz nach der Präsentation twitterte Musk, dass ein zweiter Teil der Enthüllung folge – ein "super next level":

Wie groß der Hype ist, zeigte sich schon vor der Präsentation. Auf Twitter machten einen Tag davor Fotos von Tesla-Anhängern die Runde, die vor den Showrooms warten, um sich als Erste in die Bestelllisten eintragen zu können. Doch der Vorstoß in den Massenmarkt ist für Tesla und seine Aktionäre auch ein großes Wagnis. Das Unternehmen, das seit seiner Gründung 2003 noch keinen Jahresgewinn geliefert hat, nimmt hohe Kosten in Kauf. Der riskante Plan muss aufgehen.

Das Model 3 ist ein wichtiger Mosaikstein, um in Zukunft wirklich Geld mit Elektroautos zu verdienen. Ein weiterer entscheidender Faktor ist der Aufbau einer riesigen Fabrik für Batterien, mit denen die Fahrzeuge eines Tages betrieben werden sollen. Diese "Gigafactory" entsteht im Bundesstaat Nevada und verschlingt Milliarden. Bisher ist Tesla für Aktionäre nur ein großes Versprechen. Dudenhöffer: "Ob sich das langfristig auszahlt, weiß heute noch niemand." (APA, dpa, red, 1.4.2016)

  • Verspricht, mit einer Batterieladung von Wien zum Wörthersee zu gelangen: Teslas Model 3.
    foto: reuters/handout

    Verspricht, mit einer Batterieladung von Wien zum Wörthersee zu gelangen: Teslas Model 3.

  • Kein neues iPhone: Menschen reihen sich vor der Tesla-Filiale in Pasadena, Kalifornien auf, um 1.000 Dollar anzuzahlen.
    foto: reuters/mario anzuoni

    Kein neues iPhone: Menschen reihen sich vor der Tesla-Filiale in Pasadena, Kalifornien auf, um 1.000 Dollar anzuzahlen.

Share if you care.