Wechsel in der Bundestheater-Holding vollzogen

1. April 2016, 06:29
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Christian Kircher hat Zepter von Günter Rhomberg übernommen: "Sie haben wirklich in den Gatsch gegriffen, um die ersten Modellierversuche zu machen" – Ehrenzeichen für scheidenden Chef

Wien – Mit dem 1. April wird in einer der turbulentes Phasen der heimischen Theatergeschichte ein neues Kapitel aufgeschlagen: Christian Kircher übernimmt offiziell vom interimistisch amtierenden Günter Rhomberg die Führung der Bundestheater-Holding. Am Donnerstagabend wurde das symbolische Zepter zwischen den beiden Kulturmanager übergeben – ebenso wie ein Ehrenzeichen der Republik an Rhomberg.

"Es ist eine neue Zeit angebrochen – und ich freue mich wirklich, da reingreifen zu können und zu tun", zeigte sich der 51-jährige Kircher im Teesalon der Wiener Staatsoper vor der versammelten Intendantenriege voller Tatendrang, künftig die Geschicke von Burgtheater, Staatsoper und Volksoper mitgestalten zu können. Leicht werde dies sicher nicht: "Ich fühle die Verantwortung, ich fühle die Last." Es gebe schließlich Pflicht und Kür. Und die Pflicht sei, in fünf Jahren in den Augen des Steuerzahlers ein solides, gut geführtes Unternehmen darzustellen zu können. Die Kür betreffe dann die Gestaltung.

Und auf diesem Wege habe Günter Rhomberg, "einer der Kulturmanager, die ich immer bewundert habe", wichtige Vorarbeiten geleistet, streute Kircher seinem Amtsvorgänger Rosen: "Sie haben wirklich in den Gatsch gegriffen, um die ersten Modellierversuche zu machen."

Ostermayer: "Ziemlich heftig begonnen"

Dabei zeigte sich der 77-jährige einstige Bregenzer Festspiel-Präsident selbst verschmitzt-verschlossen über seine Zeit an der Spitze der Holding, die er im September 2014 angetreten hatte: "Ich möchte dazu nichts sagen – vielleicht schreibe ich einmal alles nieder." Immerhin zeigte er sich zufrieden mit dem in den 20 Monaten Erreichten: "Der Weg ist vorgezeichnet, dass die Holding nicht nur stärker werden soll, sondern auch mehr Verantwortung zu übernehmen hat."

Dabei habe er anfangs durchaus etwas gezögert, bevor er die Aufgabe angetreten habe: "Im letzten Drittel seines Lebens möchte man nicht unbedingt scheitern mit einer Aufgabe, die einem übertragen wird." Umso mehr freue ihn nun die Anerkennung: "Als Sohn eines Baumeisters in Bregenz ist es mir nicht in die Wiege gelegt worden, in den ehrwürdigen Hallen der Staatsoper verabschiedet zu werden."

Auch für Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) endet mit der offiziellen Übergabe eine nicht einfache Zeit. "Es hat gleich ziemlich heftig begonnen", erinnerte sich der Politiker an den Beginn seiner Amtszeit 2014, die von den Kalamitäten rund um das Burgtheater geprägt gewesen war. Man habe dann die "verwegene Idee" kreiert, Günter Rhomberg nach dem Abgang von Georg Springer interimistisch mit der Leitung der Bundestheater-Holding zu betrauen. Und während die Politik mit der Novelle desBundestheater-Organisationsgesetzes und der Höherdotierung mit 14 Mio. Euro ihren Teil beigetragen habe, seien von Rhomberg in der Holding viele kleine, wichtige Schritte gesetzt worden.

Nun stelle sich am Ende der interimistischen Periode natürlich die Frage: "Wie können wir jemand von diesem Kaliber als Republik Danke sagen? Die billigste Form, die es immer gibt, ist dann die eines Ehrenzeichens." Und so wurde Rhomberg zum Abschied mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich bedacht – erst das dritte Mal in seiner bisherigen Amtszeit, hob Ostermayer die Exklusivität der Auszeichnung hervor. (APA, 1.4.2016)

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