Hundstorfers Botschaft: "Keine Experimente"

31. März 2016, 22:37
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SPÖ-Kandidat Rudolf Hundstorfer pocht in Wien-Floridsdorf auf seine Qualitäten: Krisenfestigkeit, Erfahrung, Konfliktvermeidung

Wien – An Sabine Oberhauser war es, für das gefühlsbetonte Element des Abendprogramms zu sorgen. Die Gesundheitsministerin, langjährige Freundin des SPÖ-Präsidentschaftskandidaten Rudolf Hundstorfer, erzählte also vom "Chefe", wie der Rudi bereits damals, vor 24 Jahren, geheißen habe, von seiner Bürotür in der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten, die nie geschlossen war, vom Arbeiterkind, das "etwas G'scheites gelernt hat".

Kein Wunder, dass man den Arbeiterbezirk Wien-Floridsdorf gewählt hat, um die rote Anhängerschaft auf den Intensivwahlkampf einzustimmen. Neben Oberhauser wussten auch Kanzler Werner Faymann und der Wiener Bürgermeister Michael Häupl natürlich nur Schmeichelhaftes über ihren "Fels in der Brandung" zu berichten. Kernbotschaft des Abends: In unsicheren Zeiten, in denen sich viele um ihren Job und die Zukunft ihrer Kinder sorgen würden, beunruhigt durch Terror, Krieg und die Flüchtlingskrise (so der O-Ton im neuen Wahlkampf-Video), brauche es an der Staatsspitze einen mit Erfahrung. Einen, "der jeden gleich behandelt" (Faymann), einen, der es vom "Hundesteuerreferat zum höchsten Amt im Staat" bringen werde, wie Häupl kalauerte und ergänzte: "Dagegen ist der Tellerwäscher, der zum Millionär wird, ein echter Wurschtl."

Häupl lobte nicht nur Hundstorfer ausführlich, sondern stichelte auch in Richtung Mitbewerber Alexander van der Bellen. "I man, was is'n des?" wunderte sich Häupl über dessen Ankündigung, eine FPÖ-geführte Regierung auch mit absoluter Mehrheit im Nationalrat nicht automatisch angeloben zu wollen und befand: "Das geht nicht." Er sei "froh, dass sich der Rudi da nicht beteiligt".

Zettellastig

Hundstorfer selbst las kurz darauf vor mehreren hundert Sympathisanten brav vom Blatt, warum gerade er in die Hofburg einziehen soll. Und zwar auf Punkt und Beistrich. Nur einmal wich er, "der weiß, wie man Konflikte vermeidet" (Oberhauser), vom Script ab: Als es um die Rolle Österreichs bei der Aufnahme von Flüchtlingen geht, verzichtet er auf die auch bei den Roten umstrittene Zahl 37.500 – und spricht lieber vom allgemeinen Beitrag, den Österreich auch heuer wieder leisten werde, statt von der Obergrenze, die auf dem Zettel vor ihm steht.

foto: standard/robert newald
Ein Lachen der Erleichterung nach abgelesener Wahlkampfrede: Rudolf Hundstorfer hat als Erster den Intensivwahlkampf eingeläutet, in Wien-Floridsdorf.

Weiter im Text geht's mit den Aufgaben des Bundespräsidenten, für die sich der frühere Sozialminister Zeit seines Berufslebens qualifiziert habe. Gehe es doch darum, "Brücken zu bauen, zu vermitteln, sich für Menschen einzusetzen, für die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern" einzutreten.

Zum Schluss noch die Bundeshymne, der zwar die Töchter fehlen, aber es geht an diesem Abend ja auch um einen großen Sohn. (Karin Riss, 31.3.2016)

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