Grün-Schwarz in Baden-Württemberg: Vom Kellner zum Starkoch

Kommentar31. März 2016, 17:34
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Für Kanzlerin Merkel könnte das schwäbische Experiment eine gute Sache werden

Noch ist es nicht so weit, aber wenn man sich in den Koalitionsverhandlungen nicht völlig zerkracht, dann wird in Baden-Württemberg mit dem ersten grün-schwarzen Bündnis eine historische Weiche gestellt. Wer hätte das vor einem halben Jahr zu denken gewagt?

Jahrzehntelang waren die Grünen, wie es der deutsche Exkanzler Gerhard Schröder einmal uncharmant formulierte, für den sozialdemokratischen Koch höchstens der Kellner. 2011 drehten sich die Verhältnisse im Ländle um, die Grünen wurden Chefs und degradierten die SPD zum Servierpersonal. Jetzt macht den Job sogar die CDU, um beim grünen Starkoch Winfried Kretschmann mitrühren zu dürfen. Vieles an dieser Konstellation hängt an seiner Person. Gleichzeitig ist ein solches Bündnis heute möglich, weil die CDU liberaler wurde und die Grünen sich von Fundamentaloppositionellen zu Pragmatikern wandelten.

Für Kanzlerin Angela Merkel könnte das schwäbische Experiment eine gute Sache werden. Klappt die Zusammenarbeit, dann rückt ein schwarz-grünes Bündnis auf Bundesebene nach der Bundestagswahl 2017 näher.

Zu früh freuen darf sich aber niemand in der Union. Denn auch die SPD arbeitet – wie man in Rheinland-Pfalz an den Ampelkoalitionsgesprächen sieht – an der Erweiterung ihrer Möglichkeiten. Grüne mit der CDU, FDP mit der SPD: Ehemalige Gegner gehen aufeinander zu. Es bricht etwas auf in Deutschland, das spannend werden kann. (Birgit Baumann, 31.3.2016)

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