"Rammstein"-Parodie: Böhmermann gegen Strache & Co

31. März 2016, 18:18
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"Achtung! Germans on the rise!" wird im neuen Musikvideo gemahnt und gleichzeitig gegen Rechtspopulismus gewettert

"BE DEUTSCH!" nennt sich das neueste Werk des mittlerweile auch für seine parodistischen Musikvideos bekannten ZDF-Satirikers Jan Böhmermann. Darin nimmt er sich dieses Mal des Flüchtlingsthemas an und wettert gegen Rechtspopulismus – musikalisch ganz im Stil der bekannten deutschen Band "Rammstein".

Böhmermanns neues Musikvideo auf Youtube.

Düster, rockig, deutsch

Die Inszenierung ist dabei so gelungen, dass das Thema erst einmal in den Hintergrund rutscht. Harte und gedämpfte Gitarrenriffs, einsetzende Synthesizer, tiefer Gesang mit rollendem R und Schlagzeug-Rhythmen, die zum Mitnicken einladen: Musikalisch steht "BE DEUTSCH! [Achtung! Germans on the rise!]" einem Rammstein-Song um nichts nach.

Auch optisch geben sich Böhmermann und seine "Neo Magazin Royale"-Crew Mühe, auf die weltbekannte deutsche Band zu verweisen. Mit schwarzen Haaren, Lederoutfit und Kontaktlinsen muss man trotz der körperlichen Unterschiede Böhmermanns sofort an Rammstein-Frontmann Till Lindemann denken.

Gegen Rechts

Die Inszenierung ist aber nicht willkürlich, sondern passt zum Thema des Songs. Böhmermann spielt mit "Deutschland, wach auf" und die Erwähnung des 9. Novembers auf den Nationalsozialismus an, singt von einem "Ruf der Pflicht" und warnt, dass Deutsche wieder auf dem Vormarsch seien, bevor er in der letzten Zeile des Intros aufklärt: "Aber dieses Mal sind wir verdammt nett!"

Im Musikvideo bezieht sich Böhmermann auf die AfD, die NPD, Pegida und etwa die Vorfälle in Clausnitz. Auch verschiedene Politiker wie Donald Trump, Recep Tayyip Erdoğan und sogar Heinz-Christian Strache bekommen ihr Fett weg. Als "Verrückte mit üblem Haar" werden sie bezeichnet, während ihnen per Fotomontage ein Trump-Toupet verpasst wird.

Definition deutscher Werte

"Wir waren auch einmal dumm", singt der Grimme-Preis-Gewinner und betont gleichzeitig die Vorzüge "der Deutschen": Toleranz, Multikulturalität, Offenheit, Meinungsfreiheit. Eine Wahl sehe er als IQ-Test und dabei hätten einige versagt.

Mit dem Video richtet sich Böhmermann gegen Rechtspopulisten und Rechtsextremisten, die sich oft als wahre Deutsche ansehen. Böhmermann widerspricht jedoch: "Ihr seid nicht das Volk, ihr seid die Vergangenheit!"

Das Musikvideo spielt mit konträren Motiven: Aggressivität, Unterdrückung und Hass steht Solidarität, Freiheit und Harmonie gegenüber. Hier schließt sich der Kreis zum stilistischen Vorbild "Rammstein", die aufgrund ähnlicher Spielchen mit diesen Motiven oftmals zu Unrecht in die rechte Ecke gestellt wurden. Nur das Saxophon-Solo hätte es wohl in keinem Lied der Berliner gegeben. (Florian Schmidt, 31.3.2016)

  • Auch FPÖ-Bundesparteiobmann Strache kommt im Video vor – mit Trump-Frisur.
    foto: screenshot: red

    Auch FPÖ-Bundesparteiobmann Strache kommt im Video vor – mit Trump-Frisur.

  • Böhmermann orientiert sich in seinem neuen Musikvideo stark an der Band "Rammstein".
    foto: screenshot: red

    Böhmermann orientiert sich in seinem neuen Musikvideo stark an der Band "Rammstein".

  • Im Visier des Satirikers: Pegida und einige Politiker wie Trump oder Le Pen.
    foto: screenshot: red

    Im Visier des Satirikers: Pegida und einige Politiker wie Trump oder Le Pen.

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