Ein kosmisches Doppelgesicht

31. März 2016, 16:40
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Die 40 Lichtjahre von uns entfernte Supererde Janssen hat zwei sehr ungleiche Hemisphären

Cambridge/Wien – Arion, Hypatia, Dimidium oder Amateru: Seit ein paar Monaten gibt es da draußen in der Galaxis eine ganze Reihe Planeten, die so heißen, wie sich eine mit "Star Trek" und "Krieg der Sterne" sozialisierte Welt das auch vorstellt. Die Internationale Astronomische Union hatte einen Wettbewerb ausgeschrieben, um Namen für diese Planeten zu finden.

Davor hatten sie nur die – mitunter sehr lange – Bezeichnung ihres Muttersterns, ergänzt um einen Kleinbuchstaben, getragen. Durch die kosmische Taufwelle, an der sich europäische Amateurastronomen besonders erfolgreich beteiligten, wurde tendenziell Unaussprechliches gleich um einiges griffiger. Planet PSR 1257+12 b etwa mutierte zu Draugr, benannt nach einer Art Zombie aus der germanischen Mythologie.

Niederländischer Namenspatron

Vergleichsweise unspektakulär klingt da ... Janssen. Der 40 Lichtjahre von uns entfernt im Sternbild Krebs gelegene Planet, vormals 55 Cancri e, wurde nach Zacharias Janssen, einem niederländischen Optiker und Pionier der Teleskopie, benannt. Der Planet selbst hat aber einiges zu bieten, wie ein internationales Astronomenteam in der aktuellen Ausgabe von "Nature" berichtet.

Janssen ist eine sogenannte Supererde. Dieser Begriff bezieht sich lediglich auf die Masse, trifft aber noch keine Aussage über die Beschaffenheit eines Planeten. Über Janssen wurde bereits spekuliert, dass es sich um eine Wasser- oder gar eine Diamantwelt handeln könnte. Der nun veröffentlichte Befund geht hingegen eher von einem Gesteinsplaneten aus, also einem Verwandten der Erde.

Two-Face

Und dennoch ist Janssen ganz anders als die Erde. Er umkreist seinen Stern so eng, dass ein "Jahr" nur 18 Stunden dauert. Zudem befindet er sich in gebundener Rotation, wendet dem Stern also stets dieselbe Seite zu. Diese Hemisphäre dürfte laut den Forschern um Brice-Olivier Demory vom Cavendish Laboratory der Universität Cambridge aus geschmolzener Lava bestehen und 2.500 Grad Celsius heiß sein.

Die Nachtseite hingegen weist eine feste Oberfläche auf und ist kühl – mit 1.100 Grad allerdings nur nach den Maßstäben einer Höllenwelt. Diese gewaltige Diskrepanz kann laut den Forschern mehrere Ursachen haben. Zum einen dürften die extremen Temperaturen auf der sternbeschienenen Seite die Atmosphäre verdampfen haben lassen, wodurch Zirkulation und Wärmeausgleich zwischen den Hemisphären stark eingeschränkt wären. Zum anderen würde die weitgehend feste Oberfläche der Nachtseite ebenfalls die Wärme weniger effizient verteilen als die geschmolzene von Janssens Taghälfte. (jdo, 31. 3. 2016)

  • Nicht gerade einladend: der Planet Janssen.
    illustration: nasa/jpl-caltech

    Nicht gerade einladend: der Planet Janssen.

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