"Broken Heart Syndrome" als Vorbote für Krebs

31. März 2016, 15:05
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Krebs-Patienten haben ein erhöhtes Risiko für das "Broken Heart Syndrome". Dieses ist möglicherweise Risikomarker für eine unentdeckte Krebserkrankung

Patienten, die an einer Stress-Kardiomyopathie (Tako-Tsubo-Kardiomyopathie, TTC), einer Funktionsstörung des Herzmuskels – auch "Broken Heart Syndrome" genannt – leiden, sollten sich einer Krebs-Untersuchung unterziehen. Die Erkrankung könnte, wie nun entdeckt wurde, ein Frühzeichen für Krebs sein.

In einer Untersuchung wurde bei 18 Prozent der TTC-Patienten eine Krebs-Grunderkrankung festgestellt. "Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse halten wir es für sinnvoll, bei TTC-Patienten eine ‚kleine Tumorsuche‘ durchzuführen, bestehend aus Röntgen des Brustkorbs, Ultraschall der Bauchregion, großem Blutbild sowie einer allgemein empfohlenen, altersabhängigen Krebsvorsorge", sagt Christian Möller vom Universitätsklinikum Schleswig Holstein in Lübeck.

Ziel der Studie war es, die genaue Häufigkeit von Krebs in einer großen Gruppe von TTC-Patienten zu ermitteln und die Langzeitprognose zu untersuchen. Die Symptome einer TTC gleichen denen eines Herzinfarktes und treten meist unmittelbar nach emotionaler oder körperlicher Belastung auf.

Erhöhte Langzeit-Sterblichkeit

Im Rahmen der Untersuchung wurden in Lübeck und München zwischen Februar 2004 und November 2014 insgesamt 286 TTC-Patienten erfasst. Die Patienten wurden in Register eingeschlossen, ihre Krankengeschichte wurde systematisch auf Krebserkrankungen hin untersucht. Im Anschluss erfolgte ein systematisches Follow-up inklusive einer Verlaufskontrolle der Herzfunktion. Die Langzeitprognose wurde über Telefoninterviews ermittelt, der Nachbeobachtungszeitraum betrug durchschnittlich vier Jahre.

Bei 18 Prozent der TTC-Patienten wurde eine Krebs-Grunderkrankung identifiziert. Abgesehen von arteriellem Bluthochdruck, der in der Gruppe mit Krebserkrankungen etwas häufiger auftrat, zeigten sich zwischen den beiden Gruppen (TTC-Patienten mit oder ohne Krebserkrankungen) keine signifikanten Unterschiede. Zunächst gab es in beiden Gruppen auch keinen Unterschied in der Sterblichkeit. Ab einem Jahr nach Diagnosestellung erhöhte sich jedoch die Langzeit-Sterblichkeit der TTC-Patienten mit Krebserkrankungen mit 27 Prozent gegenüber denen ohne Krebserkrankungen (11 Prozent) signifikant.

Darüber hinaus zeigte sich in der Gruppe der TTC-Patienten mit Krebserkrankung ein signifikant erhöhter Anteil nicht-kardiovaskulärer Todesursachen (24 versus 6 Prozent). "Das ist hauptsächlich auf die zugrunde liegenden Krebserkrankungen zurückzuführen, die 75 Prozent aller nicht-kardiovaskulärer Todesfälle in dieser Gruppe ausmachten", so Möller.

Hintergründe unklar

Die Experten halten es deshalb für sinnvoll, bei TTC-Patienten systematisch auf Krebserkrankungen zu achten. Möller: "Die Ursache für die Koinzidenz von Krebserkrankungen und TTC sowie deren pathophysiologische Hintergründe bleiben jedoch weiterhin unklar. Hier sind weiterführende Studien erforderlich." (idw, 31.3.2016)

  • Bei 18 Prozent der TTC-Patienten wurde eine Krebs-Grunderkrankung festgestellt. Eine ‚kleine Tumorsuche‘ ist daher ratsam.
    foto: reuters

    Bei 18 Prozent der TTC-Patienten wurde eine Krebs-Grunderkrankung festgestellt. Eine ‚kleine Tumorsuche‘ ist daher ratsam.

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