Wien: Grüne kämpfen um Akzeptanz fürs Radfahren

31. März 2016, 16:36
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Zehn Prozent Radanteil am Gesamtverkehr hat sich Rot-Grün bis 2015 zum Ziel gesetzt. Das wurde mit nur sieben Prozent deutlich verfehlt. Maria Vassilakou kündigte mehr Budget für den Ausbau von Radwegen an

Wien – Die rot-grüne Stadtregierung baut das Radwegenetz in Wien kontinuierlich aus. In der vergangenen Legislaturperiode wurde das Netz um 124 Kilometer erweitert. In diesem Jahr kommen 20 Kilometer dazu, sagte die grüne Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou am Donnerstag. Mindestens vier Millionen Euro würden in die Radinfrastruktur investiert. "Es ist aber üblich, dass dieser Betrag überschritten wird", sagte die Vizebürgermeisterin. Etwa dann, wenn Bezirke zusätzlichen Bedarf anmelden.

Ziel deutlich verfehlt

Die Stärkung des Radverkehrs ist Vassilakou ein Anliegen. Seit 2010 wurden rund 40 Millionen Euro in neue Radwege investiert. Richtig zulegen konnte der Radanteil am Gesamtverkehr aber dennoch nicht. 2009, also im Jahr vor der ersten grünen Regierungsbeteiligung, betrug der er sechs Prozent. 2015 waren es sieben Prozent. Das Ziel Vassilakous, den Anteil auf zehn Prozent zu steigern, es ist im ersten rot-grünen Regierungsübereinkommen festgehalten, wurde mehr als deutlich verfehlt.

Vassilakou kündigte am Donnerstag daher an, das "Radbudget zu erhöhen" – sprich, in den kommenden Jahren mehr als heuer für Radwege auszugeben. Es sei auch dank neuer Bezirksvorsteher einfacher geworden, Akzeptanz für Radwege zu schaffen. Im ersten Bezirk etwa gebe es mit Markus Figl (ÖVP), dem Nachfolger von Ursula Stenzel, "jetzt eine andere Basis der Zusammenarbeit".

Äußerer Ringradweg durchgängig befahrbar

Fertiggestellt wird in diesem Jahr jedenfalls die durchgängige Befahrung des Äußeren Ringradweges auf Höhe des Schottentores sowie die ausstehende Verbindung von Getreidemarkt und Operngasse nahe des Naschmarkts. Mit der Goldschlagstraße im 15. Bezirk entsteht ab Herbst die dritte Fahrradstraße der Stadt. Damit wird eine Radverbindung vom Außenbezirk ins Zentrum möglich.

Im Zuge der U4-Sperre von 30. April bis 4. September zwischen Hütteldorf und Hietzing beziehungsweise Schönbrunn (ab 2. Juli) kommen Schienenersatzbusse der Wiener Linien zum Einsatz. Für Räder als Ersatzverkehrsmittel will die Mobilitätsagentur werben: Es werden E-Bikes und Falträder zum Ausprobieren verliehen und kostenlose Radchecks angeboten. Für ÖVP-Wien-Klubchef Manfred Juraczka setzt Vassilakou mit dem Ausbau der Radwege die "Politik der Schikanen in der Verkehrspolitik fort".

Bauordnung neu im Landtag beschlossen

Andere Themen herrschten im Landtag: Dort wurde mit den Stimmen von SPÖ und Grünen die umstrittene Novelle der Bauordnung in zweiter Lesung beschlossen. Diese erleichtert die Errichtung temporärer Flüchtlingsunterkünfte. Die Sitzung dauerte nur wenige Minuten. Am 20. März hatten FPÖ und ÖVP den Beschluss mit Dauerreden verhindert: Die damalige Landtagssitzung dauerte 29 Stunden. Danach ging es auf Antrag der FPÖ um "Islamische Kindergärten in Wien – rot-grünes Versagen und schwarze Mitverantwortung". Das ließ ÖVP-Wien-Chef Gernot Blümel nicht auf sich sitzen: Die FPÖ sei lediglich "Trittbrettfahrer der Aufklärung". Einig waren sich Blaue und Schwarze in ihrer Kritik an der Stadtregierung. "Der multikulturelle Traum hat sich als islamistischer Alptraum herausgestellt", sagte Vizebürgermeister Johann Gudenus (FPÖ). (David Krutzler, 31.3.2016)

  • Der Anteil des Radverkehrs in Wien ist weit weniger stark gewachsen als von der rot-grünen Regierung angepeilt. Maria Vassilakou will in den kommenden Jahren mehr Geld in neue Radwege investieren.
    foto: apa / helmut fohringer

    Der Anteil des Radverkehrs in Wien ist weit weniger stark gewachsen als von der rot-grünen Regierung angepeilt. Maria Vassilakou will in den kommenden Jahren mehr Geld in neue Radwege investieren.

  • Das Bauprogramm für Radwege 2016 im Detail.

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