Strache will in russischen sozialen Medien präsent sein

31. März 2016, 15:35
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FPÖ-Chef will auf russischem VKontakte "die Claim" abzusichern, sagt Kickl

Wien – Auf Facebook ist Heinz-Christian Strache seiner Anhängerschaft sicher. Über 332.000 Personen gefällt seine Seite, kaum postet der FPÖ-Chef etwas ins Social-Media-Universum, sprießen die Likes, Loves, aber auch die wütenden Emoji-Gesellen unter seinen Einträgen.

Seit Mitte Februar ist der blaue Parteichef auch im russischen V-Kontakte, dem weitaus beliebteren sozialen Netzwerk in Russland, der Ukraine, Weißrussland und Kasachstan, aktiv. Das fällt nicht nur durch bestechende Ähnlichkeit zum US-amerikanischen Vorbild Facebook auf, sondern auch durch besondere Attraktivität für Rechtsextreme aus Deutschland und Österreich. Für die wird es auf Facebook mit seinem härteren Vorgehen gegen Hasspostings und die verschärfte Gesetzeslage in Österreich anscheinend zunehmend schwieriger, offen ihre Weltanschauung zu kommunizieren – vk.com heißt die Ausweichroute.

Der grüne Abgeordnete Karl Öllinger, der sich bei der Initiative Stoppt die Rechten mit dem Thema beschäftigt, erklärte vor kurzem im Gespräch mit dem STANDARD, dass es "in den vergangenen Wochen immer wieder Ankündigungen und Absetzbewegungen" in Richtung V-Kontakte gegeben habe. Und er wundert sich – auf Facebook: "Was macht Strache im russischen sozialen Netzwerk vk.com?"

"Aktivität gesetzt"

Der wollte das bislang auf Nachfrage nicht kommentieren. Jetzt erklärt FPÖ-General Herbert Kickl im Gespräch mit dem STANDARD: "Wir haben dort einmal eine Aktivität gesetzt. Es geht darum, präsent zu sein und die Claim abzusichern." So wolle man verhindern, "dass jemand anderer als HC Strache" unter dessen Namen im russischen Facebook auftaucht. "Systematisch" betreibe der Parteichef die Seite nicht.

Was Mitte Februar vielversprechend begonnen hat, endete nämlich – vorerst – bereits zwei Tage später wieder. Am 11. Februar legte Strache noch topmotiviert los: "Ich begrüße alle meine Freunde nun auch hier auf V-Kontakte. Ich denke, wir werden auch hier eine starke Freundschaftsgruppe aufbauen. Ähnlich wie auf Facebook mit rund 320.000 Freunden."

Am 13. Februar buhlte der FPÖ-Chef um weitere Likes für seine Community. Seither: nichts. Straches VK-Anhängerschaft hält derzeit bei 115 Followern und 267 Community-Members.

Aber man wisse ja nie, wie sich das Ganze medial weiterentwickelt, sagt Kickl und schließt nicht aus, dem Account doch noch neues Leben einzuhauchen. Die rechte Gesellschaft nimmt man in Kauf, wenn es auch heißt: "Rechtsextreme wollen wir da und dort nicht." Mit "dort" ist Facebook gemeint, wo man mit Fans, die sich nicht an den gesetzlichen Rahmen halten, bereits alle Hände voll zu tun hat. Das sei auch der Hauptgrund, warum Strache auf V-Kontakte derzeit nicht aktiver postet. Nicht nur bedeute das mehr Aufwand für Strache selbst, es bräuchte auch ein größeres Team zur Kontrolle der geteilten Inhalte.

Die Folge: Strache will sich vorerst mehr auf Twitter konzentrieren, auf Facebook verpasst sich die FPÖ demnächst ein eigenes Parteiprofil. (Karin Riss, 31.3.2016)

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