100 Jahre BMW: In der Schatzkammer

6. April 2016, 13:14
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BMW ist 100 Jahre jung und feiert dies unter anderem mit der famosen, auch automobilgeschichtlich wertvollen Ausstellung "100 Meisterstücke" im BMW-Museum. Bis September 2017.

Da kommst du rein ins BMW-Museum in München, und am Kartenschalter lärmen zwei Schulklassen und eine Busladung Japaner, nur die älteren Herrschaften aus USA geben sich akustisch zurückhaltend. Normalbetrieb im Automuseum. Von glänzenden Augen ist zu berichten, von "Guck mal da!" und "Look here!", von nicht immer glanzvoller Geschichte und einer famosen Ausstellung dazu, deren Titel nicht von ungefähr an den des TV-Formats 100 Meisterwerke anklingt: 100 Meisterstücke. Zur Kulturgeschichte zählt eben auch die Automobilgeschichte, und davon gibt's hier reichlich. Denn. BMW ist 100 Jahre jung, und dies ist die Schau dazu.

foto: andreas stockinger
Der "Zeittunnel" veranschaulicht 100 Jahre Zeit- und Mobilitätsgeschehen.

Es geht bergauf

Man erschließt sie sich von unten nach oben in Manier der Guggenheim-Museum-Rampe. Im "Zeittunnel", gleich nach Nehmen der ersten Hürde – ein knallroter Dixi 3/15; der Austin-Lizenzbau war nach dem Ersten Weltkrieg BMW-Lebensretter -, passieren bewegte Zeiten Revue. Links das allgemeine Geschehen, rechts der Mobilitätsaspekt, teilweise in tollen historischen Plakaten. Die Schau ist also stilvoll und informativ garniert, und von den gut 30 gezeigten Fahrzeugen seien nur genannt: der 303 von 1933, Urahn der weißblauen 6-Zylinder-Historie; 507, des Grafen Goertz legendärer Roadster (1956); 700, zweiter Rettungsanker nach dem zweiten Krieg (geworfen vom Wiener Wolfgang Denzel 1959).

foto: andreas stockinger
Das Legendentrio 507 (1956), 700 (1959) und 1500 (1961).

Daneben gibt es auch für heutige Erdenbewohner exotische Facetten der Unternehmenshistorie. 1919, kurz vor dem Verbot aus Versailles, erflog Franz Zeno Diemer einen Höhenweltrekord (9760 m) – Antrieb: BMW-IV-Reihen-6-Zylinder mit 22,9 l Hubraum. Und während die Sowjets in Eisenach nach WK II die BMW-Produktion bald wieder anwarfen, war das dem in Trümmern liegenden Stammwerk in München nicht gegönnt. Also fertigte man: Kochtöpfe. Aus Alu. Notproduktion. Erst 1948 wurden wieder Motorräder gebaut.

Über 600.000 Besucher habe das Museum übrigens 2015 gezählt, 70 Prozent davon kämen aus Asien und den USA, berichtet Benjamin Voß von BMW Classic. Damit toppte man das Porsche-Museum (445.730) und musste sich nur von Mercedes geschlagen geben: 772.750. Unsere Empfehlung? Auf in die Münchener Schatzkammer! (Andreas Stockinger, 6.4.2016)

  • Die "Museumsschüssel"
    foto: andreas stockinger

    Die "Museumsschüssel"

  • Meilenstein in der BMW-Geschichte, links der 303 aus 1933.
    foto: andreas stockinger

    Meilenstein in der BMW-Geschichte, links der 303 aus 1933.

  • Designstudie "Gina" mit flexibler Karosserie.
    foto: andreas stockinger

    Designstudie "Gina" mit flexibler Karosserie.

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