Der führerscheinlose Bademeister mit dem Mähtraktor

31. März 2016, 16:22
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Bei einem Unfall im Stadionbad wurde im Vorjahr eine 73-Jährige schwer verletzt. Doch keiner der Angeklagten will strafrechtlich schuld sein

Wien – Für Monika H. endete der Freibadbesuch im Mai 2015 im künstlichen Tiefschlaf. Denn sie wurde im Stadionbad von einem Mähtraktor angefahren, erlitt Wirbel- und Serienrippenbrüche und schwere Kopfverletzungen. Wegen fahrlässiger Körperverletzung sitzen daher Bademeister Luis-Fernando R. und sein Vorgesetzter Josef W. vor Gericht.

Der 50-jährige R. fuhr den Traktor, der die 73-Jährige im Vorjahr auf einem Weg neben einer Terrasse angefahren und überrollt haben soll. Er bekennt sich etwas überraschend nicht schuldig. Vor allem aber schiebt er seinem Vorgesetzten die Verantwortung zu. Der habe ihn ohne Einschulung mit dem Gefährt fahren lassen, obwohl er W. gesagt habe, dass er das noch nie gemacht habe. Außerdem habe er ja überhaupt keinen Führerschein.

Lernfähig scheint R. aber zu sein. Nachdem er den Auftrag zu den Mäharbeiten erhalten hatte, erklärte ihm ein Kollege rasch die Schaltung. Mehrere Stunden tuckerte der Erstangeklagte dann über das Gelände.

Den Unfall schildert er so: "Ich wollte herunterschalten, das hat nicht funktioniert. Dann habe ich gehupt – und die Frau hat einen Schritt in meine Richtung gemacht." Er trat die auf die Bremse, verriss den Traktor und fuhr in eine Hecke. Erwischt könne er das Opfer maximal mit dem Anhänger haben, mutmaßt er.

Sein Vorgesetzter sieht sich ebenso schuldlos. R. sei mit drei Saisonen der "längstdienende Bademeister im Stadionbad" gewesen, erfährt man. Der Mitarbeiter sei schon früher mit anderen Traktoren gefahren und habe nie behauptet, es nicht zu können.

Auf Nachfrage muss er aber zugeben, dass er R. nie auf diesem Model eingeschult hat. Um genau zu sein: auf gar keinem. "Warum nicht?", fragt die Richterin. "Er war für andere Aufgaben zuständig", gesteht W. ein.

Dass er den Erstangeklagten, wie von diesem behauptet, dazu bringen wollte, eine rückdatierte Einschulungsbestätigung zu unterzeichnen, streitet er vehement ab. Der Prozess ist wegen weiterer Zeugen vertagt. (Michael Möseneder, 31.3.2016)

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