Satiremagazin "Extra 3" macht Erdoğan zum Mitarbeiter des Monats

31. März 2016, 12:58
166 Postings

NDR-Magazin legt nach diplomatischem Eklat nach

Berlin/Ankara – Nach der Einbestellung des deutschen Botschafters Martin Erdmann in das türkische Außenministerium in Ankara hat das Satiremagazin "Extra 3" des deutschen Sender NDR nachgelegt. Wegen des Liedes "Erdowie, Erdowo, Erdoğan" hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan für einen diplomatischen Eklat gesorgt und von Erdmann die Löschung des Videos verlangt.

In der Ausgabe von Mittwoch erklärte nun Moderator Christian Ehring, dass "Extra 3" seinerseits den türkischen Botschafter in die Sendung einbestellt habe. "Er ist nicht erschienen", sagte Ehring, die Situation drohe zu eskalieren. Krieg komme aber nicht infrage, er habe Zivildienst im Altenheim gemacht.

Die brandneue extra 3-Folge in voller Länge.

Posted by Extra 3 on Mittwoch, 30. März 2016

Ehring machte Erdoğan darauf aufmerksam, dass er das Programm ja nicht sehen müsse: "Wenn Sie Kritik hören wollen, dann kucken Sie 'Extra 3'. Wenn Sie keine Kritik hören wollen, treffen Sie die Bundeskanzlerin." Das von der Türkei beanstandete Video wurde in der Sendung erneut gezeigt, diesmal mit türkischen Untertiteln.

extra 3

Erdoğan wurde analog zur geplanten Regelung in der Flüchtlingspolitik ein Angebot unterbreitet: Für jeden Gag, den türkische Satiriker über den Präsidenten machen dürfen, würde "Extra 3" einen Erdoğan-Witz zurücknehmen. Da die Zusammenarbeit mit Erdoğan so gut geklappt hatte – schließlich reagierte der türkische Präsident auf den Vorwurf der Einschränkung der Pressefreiheit mit dem Versuch, die Pressefreiheit einzuschränken –, ernannte "Extra 3" Erdoğan zum Mitarbeiter des Monats.

Auch der Versuch der deutschen Bundesregierung, die Wogen zu glätten, wurde in der Sendung thematisiert. Die stellvertretende Sprecherin des Auswärtigen Amts, Sawsan Chebli, sagte am Mittwoch in einer Pressekonferenz: "Ja, man kann das auch Einbestellung nennen ... Es ist eine schärfere Form der Terminvereinbarung. Sie signalisiert in der Regel doch einen akuteren Gesprächsbedarf." Die Einbestellung des Botschafters sei also nur so etwas wie die Aufforderung "Komm vorbei, bitte!", meinte Ehring. (Michael Vosatka, 31.3.2016)

tilo jung
Die Pressekonferenz zur Botschaftereinbestellung in einem Video von "Jung und naiv" von Tilo Jung.
Share if you care.