Maierhofer "wollte einen Pokal stemmen"

31. März 2016, 10:19
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Angehender slowakischer Meister Trenčín soll nicht Endstation sein: "Gehe davon aus, dass ich im Sommer eine ganz andere Ausgangsposition habe"

Trenčín – Mancher mag ihn schon abgeschrieben haben. Doch mit Stefan Maierhofer ist immer zu rechnen. "Heute kennt dich keiner, morgen wollen dich wieder alle haben", sagt der Ex-Teamspieler. Im Winter heuerte er beim slowakischen Titelverteidiger AS Trenčín an und ist nun fast am Ziel: "Ich wollte einen Pokal stemmen."

Zwei Tore und ein Handbruch

Im Herbst noch stemmte Maierhofer vor allem das Telefon. Nach dem Engagement beim englischen Zweitligisten Millwall, der schließlich abstieg, war der 33-Jährige vereinslos. Ein Wechsel zu Standard Lüttich zerschlug sich, obwohl die Signale von Sportdirektor Axel Lawaree und Präsidentenberater Daniel van Buyten ursprünglich sehr positiv gewesen seien. Am Ende blieb nur ein Gips. "Ich habe im Testspiel zwei Tore erzielt und mir die Hand gebrochen, dann haben sie mir gesagt, dass sie mich doch nicht brauchen. Eine unglaubliche Situation."

Nach Stationen in Köln, Millwall und Wiener Neustadt samt einigen Monaten ohne Verein hat Maierhofer bisher zweimal für Trenčín getroffen. "Es macht Spaß, ich bin körperlich wieder in einer richtig guten Verfassung." Neun Runden sind noch zu absolvieren, der erste Verfolger Slovan Bratislava hat bereits neun Punkte Rückstand auf den Klub aus der 55.000-Einwohner-Stadt im Westen des Landes.

Während Rekordmeister Slovan auf eine fast hundertjährige Geschichte zurückblickt, ist die Tradition in Trenčín ein zartes Pflänzchen. 1992 gegründet, übernahm 2007 der niederländische Ex-Internationale und Immobilienhändler Tscheu La Ling den Verein und feierte acht Jahre später erstmals Meistertitel und Cupsieg. Derzeit wird das Stadion runderneuert und um gut 7.000 auf 10.500 Plätze aufgestockt. Maierhofer: "Da ist was im Entstehen."

Pressing und Ballbesitz

Maierhofer hält viel von Ling, einst Teamkollege Johan Cruyffs bei Ajax Amsterdam. "Er hat eine Philosophie, will holländischen Fußball sehen. Wir spielen aggressiven Fußball mit Pressing und viel Ballbesitz." Wir, das sind ein Dutzend Slowaken und 14 Legionäre, darunter fünf Nigerianer und zwei Südkoreaner.

Als Glücksritter, der zum Abkassieren gekommen ist, sieht Maierhofer sich keinesfalls. "Ich verdiene hier nicht das Gelbe vom Ei." Er habe sich seine Angebote aber sehr genau angesehen und viele abgelehnt. "Da hätten 80 Prozent der anderen Kicker unterschrieben." Nach dem Abstiegskampf in England habe er sich nach oben orientieren wollen. "Schöne Stadien, viel Leidenschaft", sagt Maierhofer über seinen Inselkick, "aber ich wollte nicht wieder gegen den Abstieg spielen".

Vertrag läuft im Sommer aus

Sein Vertrag endet im Sommer, im Profifußball will er aber noch eine Weile bleiben. Gerne auch in einer prestigeträchtigeren Liga als der slowakischen. Mit dem Meistertitel und einigen Toren auf dem Konto sieht Maierhofer dafür durchaus Chancen. "Ich gehe davon aus, dass ich im Sommer eine ganz andere Ausgangsposition habe."

Mit der Berateragentur Sportscon hat er sich schon vor zwei Jahren ein zweites Standbein geschaffen. Neben vielen positiven Erlebnissen sollen seine Klienten auch von negativen wie jenem in Lüttich profitieren. "Ich habe schon so viel gesehen im Fußball. Wir wollen jungen Spielern helfen." (APA, red, 31.3.2016)

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AS Trencin

Fotos vom Stadion (mit Burg!)

  • Maierhofer: "Es macht Spaß, ich bin körperlich wieder in einer richtig guten Verfassung."
    foto: apa/dapd/joensson

    Maierhofer: "Es macht Spaß, ich bin körperlich wieder in einer richtig guten Verfassung."

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