Was Microsoft mit Chatbots vorhat

31. März 2016, 10:47
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Konzern gab seine Vision für künstliche Intelligenz bekannt – Chatbot Tay twitterte wieder Unsinn

Microsofts jüngstes, öffentliches Experiment mit künstlicher Intelligenz ging vor den Augen zahlreicher Twitter-Nutzer gewaltig schief. Chatbot Tay verbreitete rassistische und sexistische Aussagen. Es handelt sich dabei nicht nur um eine Spielerei. Auf seiner Hauskonferenz Build gab der Konzern am Mittwochabend bekannt, in Zukunft noch viel mehr auf interaktive Bots zu setzen. So sieht Microsofts Vision beispielsweise nicht nur simple Bots im Kundensupport vor – sie sollen zur neuen Schnittstelle auf Computer, Smartphone und Tablet werden.

Bots als neue Eingabemethode

Digitale Assistenten wie Microsofts Cortana sollen auf den verschiedenen Geräten für die persönlichen Aufgaben der Nutzer zuständig sein. Während Chatbots als Zwischenstelle fungieren und für alltägliche Anfragen eingesetzt werden sollen. Digitale Assistenten könnten in Zukunft beispielsweise mithilfe von Bots Anrufe im Namen des menschlichen Nutzers tätigen, um Hotels zu buchen. CEO Satya Nadella geht davon aus, dass "Konversation" in Zukunft zur neuen Eingabemethode auf Computern und anderen Geräten werden könnten, berichtet "The Verge".

Dafür hat das Unternehmen neue Funktionen für die Cortana Intelligence Suite vorgestellt. Dazu gehört das Microsoft Bot Framework, mit dem Entwickler intelligente Bots programmieren können, die sich für verschiedene Aufgaben einsetzen lassen. Nutzer sollen mit den Bots in natürlicher Sprache interagieren. Unterstützt werden verschiedenen Plattformen wie SMS, Skype, Office 365 oder Web. Mit den Microsoft Cognitive Services wiederum sollen Systeme "sehen, hören, sprechen" können und "unsere Bedürfnisse mit natürlichen Methoden der Kommunikation verstehen und interpretieren" können.

Microsoft ist nicht alleine mit seinen Ambitionen. Apple hat mit Siri ebenfalls einen digitale Assistentin, die gewisse Aufgaben für den Nutzer erledigen kann. Facebook arbeitet an einer ähnlichen Funktion für seinen Messenger und die Messaging-App WeChat bietet Chatbots, mit denen Nutzer etwa Taxis bestellen können.

Experiment lief erneut aus dem Ruder

Chatbot Tay zeigt allerdings, dass bei der Entwicklung intelligenter, künstlicher Konversationsparter noch viel zu tun ist. Tay sollte aus Twitter-Konversationen mit echten Menschen lernen. Das passierte auch, allerdings nutzten einiger User das aus, um Tay verhetzende Meldungen beizubringen. Microsoft entschuldigte sich und löschte die entsprechenden Tweets.

Beim Versuch Probleme zu behoben, wurde Tay nun versehentlich nochmal aktiviert und verschickte hundertfach die Nachricht "You are too fast, please take a rest...,". Außerdem gab Tay an Haschisch vor Polizisten zu rauchen. Inzwischen wurde auf einen geschützten Account umgestellt – die Tweets können nur bestätigte Follower sehen. Das Unternehmen arbeitet weiter an einer Lösung, bis dahin soll Tay offline bleiben, wie ein Sprecher zu "Reuters" sagte. (br, 31.3.2016)

  • Künstliche Assistenten und Chatbots sollen in Zukunft dazu genutzt werden, um Aufgaben im Namen der Nutzer zu erledigen.
    foto: microsoft

    Künstliche Assistenten und Chatbots sollen in Zukunft dazu genutzt werden, um Aufgaben im Namen der Nutzer zu erledigen.

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