Nigerias Regierung soll Verschleppung von Kindern vertuscht haben

31. März 2016, 06:03
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Anrainer: 500 Frauen und Kinder Ende 2014 von Boko Haram verschleppt – Regierung hatte Berichte dementiert

Kano – Trotz eines Dementis der nigerianischen Regierung halten Einwohner von Damasak daran fest, dass Extremisten der Boko Haram aus ihrer Stadt Ende 2014 rund 500 Frauen und Kinder verschleppt haben. "Alle Eltern haben Angst zu sprechen", sagte der Vater einer demnach ebenfalls entführten Siebenjährigen am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP.

Auch ein Verantwortlicher der Stadt erklärte, aus Angst vor der "Wut der Regierung" zu schweigen. Nach der Verschleppung von 276 Mädchen im April 2014 aus Chibok, die internationale Aufmerksamkeit erregt hatte, habe die Regierung den weitaus größeren Fall von Damasak nur wenige Monate später vertuschen wollen, gaben mehrere Einwohner an, die anonym bleiben wollten.

Die Regierung von Präsident Goodluck Jonathan hatte Berichte über die neuerliche Massenentführung Anfang 2015 öffentlich zurückgewiesen. Soldaten aus Niger und dem Tschad hatten Boko Haram am 9. März 2015 nach dreieinhalb Monaten aus Damasak vertrieben. Nach der Rückeroberung der Stadt wurden dort etwa 200 Tote entdeckt. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte am Dienstag einen Bericht vorgestellt, wonach noch rund 300 Kinder vermisst würden.

17.000 Tote

Boko Haram kämpft seit sechs Jahren für die Errichtung eines islamischen Staates im mehrheitlich muslimischen Nordosten Nigerias. Mindestens 17.000 Menschen wurden in dem Konflikt bisher getötet, mehr als 2,5 Millionen Menschen wurden durch die Gewalt in die Flucht getrieben. Immer wieder verschleppt die Extremistengruppe außerdem Zivilisten.

Der Konflikt weitete sich mittlerweile auch auf die Nachbarländer Kamerun, Tschad und Niger aus, deren Armeen sich am Kampf gegen Boko Haram beteiligen. (APA, 31.3.2016)

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