Zweitjobs für Bürgermeister sind gängige Praxis

31. März 2016, 07:09
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Andreas Babler dürfte keine Einzelfall sein. Auch andere Bürgermeister sichern sich zusätzliche Posten in ihren Gemeinden

Graz – Ein Zweitjob für Bürgermeister innerhalb ihrer Gemeinde wie im Fall des Traiskirchner Bürgermeisters Andreas Babler scheint in Österreich durchaus gängige Praxis zu sein – zumindest in steirischen Kommunen. Der steirische Grünen-Chef Lambert Schönleitner weiß auf Anhieb gleich vier SPÖ- und ÖVP-Gemeinden zu nennen, in denen der Bürgermeister gleichzeitig als Amtsleiter der Gemeinde fungiert.

Durch die zahlreichen Gemeindefusionen sei es momentan aber etwas schwierig, einen genauen Überblick über die Zweitjobs zu bekommen, sagt Schönleitner. Deshalb werde er in einer der nächsten Sitzungen des Landtags an die beiden Gemeindereferenten, Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) und Vizelandeshauptmann Michael Schickhofer, eine Anfrage richten, wie viele und welche steirische Bürgermeister aktuell einer Zweitbeschäftigung in ihren Gemeinden nachgehen.

Doppelfunktionen

Ein Paradefall einer Doppelfunktion des Bürgermeisters hatte vor einigen Monaten die Stadtpolitik der obersteirischen Gemeinde Knittelfeld beschäftigt. Der dortige SPÖ-Bürgermeister Gerald Schmid hatte sich um die neu geschaffene Stelle eines Projektmanagers und -controllers der Stadt beworben – und diese auch bekommen. Er könne der Stadt als Controller von Projekten viel Geld ersparen, argumentierte der Bürgermeister. Die Doppelfunktion des Bürgermeisters wurde von der Opposition harsch kritisiert. KPÖ-Stadträtin Renate Pacher, die die Causa ins Rollen gebracht hatte, monierte, der Bürgermeister werde in Zukunft seine Projekte nun selbst kontrollieren.

Im Bürgermeisteramt steht man nach wie vor zum Zweitjob des Ortschefs. Er sei seit 20 Jahren im Zivilberuf Gemeindebediensteter und übe diesen Beruf jetzt eben wieder aus. Es sei in vielen Gemeinden üblich, beinah jeder Bürgermeister habe einen Zivilberuf. Dass der Knittelfelder Ortschef zwei Gemeindejobs in Personalunion mache, sei nun "keine Debatte mehr", heißt es auf Anfrage des STANDARD. (Walter Müller, 31.3.2016)

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