US-Notenbank hat China im Blick

30. März 2016, 17:54
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US-Notenbank nimmt Rücksicht auf Währung

Wien – US-Notenbankchefin Janet Yellen betonte anlässlich ihrer Rede vor dem Economic Club of New York am Dienstagabend abermals die enge Verflechtung der amerikanischen Geldpolitik mit der globalen Wirtschaftsentwicklung. Die Maßnahmen der Fed seien eine Antwort auf die Drehungen und Wendungen der Wirtschaft, weitere Zinserhöhungen würden angesichts der unsicheren Wirtschaftslage behutsam vorgenommen, so Yellen.

Diese Rhetorik sei neu für die US-Notenbank, sagt Friedrich Strasser, Vorstand der Bank Gutmann. Er vermutet hinter dem neuen Diskurs die enge Verstrickung der US-Wirtschaft mit China.

Durch die Koppelung der chinesischen Währung an den Dollar würden sich Zinserhöhungen der Fed auch auf die chinesische Wirtschaft auswirken. Daher müsse die US-Notenbank jeden ihrer Schritte genau abwägen. Der chinesische Renminbi ist zwar seit einiger Zeit nicht mehr ausschließlich an den Dollar gebunden. Die US-Währung ist jedoch weiterhin die am höchsten gewichtete Währung im Korb der 13 Währungen, an denen sich China orientiert.

Weitere Zinserhöhungen, die den Dollar stärken, könnten daher gleichzeitig den chinesischen Wirtschaftsbeziehungen schaden und China zu einer Währungsabwertung bewegen, so Finanzexperte Strasser. Er gehe dennoch davon aus, dass sich der Dollar im Jahresverlauf wieder stärker gestalten wird. Die wirtschaftliche Situation in den USA rechtfertige aus seiner Sicht einen Anstieg des Nominalzinses auf etwa ein Prozent, vor allem, da der Realzins bei der von der Fed angestrebten Inflation von zwei Prozent ohnehin negativ wäre.

Im Dezember war es in den USA nach knapp sieben Jahren Nullzinspolitik zur historischen Zinswende gekommen. Die Fed hält ihre Leitzinsen seitdem in einer Spanne von 0,25 und 0,5 Prozent.

Trotz des boomenden Arbeitsmarktes und der günstigen konjunkturellen Entwicklung rechnen Experten angesichts der Zurückhaltung der Notenbankchefin nun nur noch mit zwei Drehungen an der Zinsschraube um jeweils 0,25 Prozent, anstatt mit den vier zuvor angekündigten. Notenbankchefin Yellen bekräftigte ihren Kurs einer behutsamen Straffung der Zinszügel. (ep, 31.3.2016)

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