UN-Aufruf in Flüchtlingskrise: "Alle Länder können mehr tun"

30. März 2016, 17:26
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Konferenz in Genf: Langfristige Lösung für 480.000 syrische Flüchtlinge gesucht

Die Stimme des UN-Generalsekretärs stockte, Ban Ki-moon wurde persönlich: Auf der Genfer Uno-Konferenz über Flüchtlinge des Syrienkriegs sprach er am Mittwoch über sein Schicksal als Kind im Koreakrieg. "Ich wusste nur, dass mein Magen hungrig war", erinnerte sich Ban an die 1950er Jahre. Seine Eltern und Großeltern liefen verzweifelt umher, um Essen für die Familie zu ergattern. Schließlich half die Uno den darbenden Menschen. Nach seinen Schilderungen gab Ban den Opfern des Syrienkriegs ein Versprechen: "Die Vereinten Nationen werden mit euch sein."

Doch um den verzweifelten Menschen wirksam beizustehen, braucht die Uno mehr Unterstützung. "Alle Länder können mehr tun", appellierte Ban an die mehr als 90 Regierungen auf der Konferenz. Die Länder sollten konkrete Zusagen für besonders bedürftige Flüchtlinge aus Syrien abgeben.

Keine weiteren Zusagen

Bis Konferenzbeginn waren die Staaten nur mit kleinlichen Zusagen gekommen: Sie wollten mehr als 178.000 syrische Flüchtlinge langfristig aufnehmen. Die Uno möchte aber für zehn Prozent der etwa 4,8 Millionen Syrer, die in Syriens Nachbarländern ausharren, langfristige Lösungen in anderen Ländern finden. Weitere Zusagen gab es vorerst nicht.

Unklar ist auch, ob die Länder ihre Zusagen tatsächlich einhalten. Wie achtlos Regierungen Versprechen abgeben, dafür nannte UNHCR-Chef Filippo Grandi ein Beispiel. Mehr als die Hälfte der bei einer Geberkonferenz zugesagten Summen für die Opfer des syrischen Bürgerkriegs seien immer noch nicht an die Uno und ihre humanitären Partner überwiesen worden, kritisierte Grandi.

In London hatten Anfang Februar Vertreter von 70 Staaten versprochen, den Bürgerkriegsflüchtlingen in der Region mit rund neun Milliarden Euro zu helfen. "Ich bin besorgt", sagte Grandi mit Blick auf die halbleeren Kassen der Helfer. (Jan Herbermann aus Genf, 30.3.2016)

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