Burkinis sorgen in Frankreich für Wirbel

31. März 2016, 09:00
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Eine Bekleidungskette verkauft erstmals Ganzkörperanzüge und erntet dafür Kritik von mehreren Seiten

Das Angebot in der Abteilung "Badeanzüge und Strand" fällt unweigerlich auf: Aus dem Bilderreigen mit viel Haut sticht ein einzelnes Kleid heraus, das den ganzen Körper bedeckt – nur Gesicht, Hände und Füße sind ausgenommen. Es ist ein Burkini (Kombination aus Bikini und Burka) und für 62,95 Euro zu haben. Angeboten wird es auf der französischen Webseite der Bekleidungskette Marks & Spencer.

Das Angebot musste in Paris auch sonst auffallen: Zum ersten Mal wird ein solches Badkleid aus dem islamischen Raum von einer großen Kette zum Verkauf gebracht. Das italienische Unternehmen Dolce & Gabbana verkauft bereits Abayas (bodenlange Gewänder, die auch die Haare bedecken), die japanische Kette Uniqlo auch Hijabs, also Kopftücher.

In England werden die Burkinis von Marks & Spencer ebenfalls verkauft, sorgen jedoch nicht für Kritik. Im laizistischen Frankreich ist das öffentliche Tragen "religiöser Zeichen" per Gesetz aber verboten: Das islamische Kopftuch wurde 2004 aus dem öffentlichen Dienst und gewissen Schulen, die Burka 2010 verbannt.

Regelmäßige Debatten

Die scharfe Trennung von öffentlichem und privatem Raum führt regelmäßig zu gesellschaftspolitischen Debatten – zum Beispiel auch über geschlechtsgetrennte Schwimmstunden an der Schule. Zudem sehen die Franzosen im Fernsehen immer wieder Bilder von Stränden in Marokko oder Tunesien, wo die Burkinis mehr und mehr werden.

Pierre Bergé, ein Pariser Modezar, kritisiert das erstmalige Angebot in Frankreich: "Ich halte das Verhalten dieser Anbieter für schändlich. Man tut so, als wären das normale Kleider. Wenn man so beginnt, wird bald der Markt der Burkas kommen." Er sei "sehr in Sorge" um die Freiheit der Frau.

In den Internetforen machen sich einige über den "Taucheranzug" lustig, während andere warnen: Wenn man in Frankreich solch religiös konnotierte Badekleider im Internet bestellen oder im Laden kaufen könne, würden sie bald auch überall auftauchen.

Die Pariser Modeschöpfer halten sich zumeist bedeckt. Bei großen Namen wie Gaultier, Lagerfeld oder Castelbajac will man zur Burkini-Frage gar nicht erst Stellung nahmen. Die Pariser Modeschöpferin Agnès B. erklärte allerdings, sie würde nie solche Kleidungsstücke entwerfen, da die Frage "über die Mode oder Konsum hinausgeht und die Politik und Religion berührt". (Stefan Brändle aus Paris, 31.3.2016)

  • Der Burkini ist in Frankreich nun bei Marks & Spencer zu erhalten. Das wird von vielen Seiten kritisiert (Symbolbild).
    foto: dpa

    Der Burkini ist in Frankreich nun bei Marks & Spencer zu erhalten. Das wird von vielen Seiten kritisiert (Symbolbild).

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