Jugendliche wählten bei Diskussion Van der Bellen und Khol

30. März 2016, 17:28
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Die Kandidatin und vier Kandidaten zur Bundespräsidentenwahl diskutierten in Bregenz vor und mit 1.600 Jugendlichen

Bregenz – Wer als Politikerin oder Politiker einer Einladung der Vorarlberger Schülerunion zu einer Podiumsdiskussion folgt, begibt sich auf dünnes Eis. "Klartext" nennt die VP-nahe Organisation ihr Diskussionsformat. Politikerinnen und Politiker sollen nicht mit Stehsätzen nerven, sondern Antworten geben und eine gute Show liefern. Jugendliche fragen via Mail und SMS.

Am Mittwoch kamen die Kandidatin und vier der fünf Kandidaten zur Bundespräsidentenwahl zur halbtägigen Politshow ins Bregenzer Festspielhaus. Im Publikum: 1.600 Schülerinnen und Schüler. Auf der Bühne: Rudolf Hundstorfer, Irmgard Griss, Andreas Khol, Alexander Van der Bellen, Norbert Hofer. Nur nicht langweilig werden ist die Devise der Veranstalter.

So beginnt die Diskussion mit einer "Challenge, würde man auf Englisch sagen" (Moderator Sandro Tirler). Jeder zieht ein Kuvert mit der Einstiegsaufgabe. Griss muss den Namen eines Mitbewerbers in ihre Vorstellung einflechten, Hundstorfer sein Lieblingslied, ohne Titel und Interpret zu nennen, Khol darf das Wort "und" nicht verwenden, Van der Bellen muss Englisch reden, Hofer soll über ein Buch sprechen, dass er gerne schreiben würde. Schnell sind die Publikumslieblinge gekürt: Griss und Van der Bellen. Khol hat Heimparteivorteil, Hundstorfer bleibt technokratisch-blass, für Hofer klatscht ein kleines Grüppchen.

Unabhängig oder Partei

Die erste Diskussionsrunde zieht sich. Wer ist bei einer Partei, wer lässt sich von einer unterstützen, wer ist wirklich unabhängig? Bei diesem Thema will der Funke nicht überspringen. Erste Publikumsfragen werden eingespielt.

Irmgard Griss hat etwas gegen die Zentralmatura. Das gefällt. Van der Bellen hat sich TTIP genauer angeschaut und für ziemlich schlecht befunden. Like. Andreas Khol spricht sich gegen die Diskriminierung homosexueller Paare aus. Freudige Überraschung. Rudolf Hundstorfer wirbt für seine letzte Amtshandlung, die Ausbildungsverpflichtung. Hofer mag Donald Trumps Frisur nicht und hält auch sonst nicht viel vom amerikanischen Präsidentschaftsbewerber. LOL.

Wenn der Körper spricht

Leben kommt in den Saal, als Körpersprache-Experte Stefan Verra auf die Bühne springt. Seine Aufgabe: Schnellanalyse der Kandidatin und der Kandidaten. Verra nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Outet Khol als Imperialisten, Van der Bellen als vielschichtige Rampensau, Griss als Verschlossene, Hofer als Anpassler, Hundstorfer als altmodisch. Sein prinzipieller Rat: Schauen Sie den Menschen in die Augen, hören Sie Ihnen zu. Zeigen Sie Emotion. Geben Sie kurze, klare Antworten, man wird Ihnen zuhören.

Verra schaut aber auch den Veranstaltern auf die Finger. Macht das Publikum auf Inszenierungsdetails aufmerksam: "Schaut, wer da im Zentrum sitzt. Schaut, wer am besten ausgeleuchtet wird. Wer sitzt da strahlend in der Mitte? Khol."

Brav werden die Tipps von Verra in der nächsten Runde berücksichtigt. Plötzlich sitzen alle Kandidaten mit Blick aufs Publikum, die Kandidatin versucht Offenheit auszustrahlen. Ausnahme Hofer, er schwänzt die zweite Hälfte, musste zurück ins Parlament.

Fragen dürfen nun nur noch mit Ja oder Nein beantwortet werden. Alle wollen Präsident werden, alle würden Flüchtlinge in ihrem Haus aufnehmen, alle möchten, dass Homosexuelle auf dem Standesamt heiraten dürfen. Auseinander gehen die Meinungen bei Obergrenzen, Regierungsangelobung, Strache als Kanzler.

Probewahl

Vor und nach der Veranstaltung wurde gewählt. Sieger vorher und nachher: Alexander Van der Bellen, vorher 35,95 Prozent, nachher 41,31. Khol überholt Griss (17,76 Prozent) und Hofer (9,62), wird mit 27,78 Prozent Zweiter. Rudolf Hundstorfer kommt auf nur 1,33 Prozent der Stimmen. (Jutta Berger, 30.3.2016)

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