Ein weiblicher Gruß vor dem Grazer Hauptbahnhof

Glosse30. März 2016, 17:23
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Das Kunstprojekt Ursula Beilers soll zum Nachdenken über patriarchale Strukturen anregen. In Tirol herrschte FPÖ-Erregung über eine ähnliche Arbeit der Künstlerin

Graz – Ist für feministische Kunst Platz im öffentlichen Raum? Oder, anders gefragt: "Wie weiblich ist Graz?" Genau diese Frage stellt sich der Kunstverein Lost Space und platziert mit der Tafel der Künstlerin Ursula Beiler ab 1. April einen weiblichen Gruß auf dem Grazer Europaplatz in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs.

Es mag für viele unvorstellbar sein, doch die Grußformel "Grüß Göttin" regt durchaus Menschen auf. Etwa in Tirol, wo Beiler mit einem ähnlichen Schild, allerdings viel größer, auf der Autobahn bei Kufstein für Aufregung sorgte. Wenig überraschend war es die FPÖ, neuerdings auch flammende Verfechterin der westlichen Frauenrechte, die sogar die unverzügliche Entfernung der Tafel forderte. Die blieb aber sechs Jahre dort stehen. Eine Installation in Innsbruck konnte allerdings bisher nicht realisiert werden.

Bis 31. Mai sollen mit dem Zug in Graz Ankommende nun mit dem harmlosen Text willkommen geheißen werden. Beiler will mit ihrer in nettem Rosa gehaltenen Kunst im öffentlichem Raum jedenfalls dazu auffordern, "patriarchale Strukturen zu hinterfragen". Möge die Übung gelingen. In Graz gibt es jedenfalls schon seit vielen Jahren ein geflügeltes Wort: Die Steiermark ist weiblich. (Colette M. Schmidt, 30.3.2016)

  • Kunst im öffentlichen Raum von Ursula Beiler.
    foto: lost space

    Kunst im öffentlichen Raum von Ursula Beiler.

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