Von Orchesterfesten und halben Konzerten

30. März 2016, 15:36
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Der Wiener Musikverein präsentiert trotz Subventionsdesasters ein opulentes Saisonprogramm

Wien – Selbst der gemeinhin um Gelassenheit bemühte Musikvereinschef Thomas Angyan blieb hier nicht emotionsfrei: "Lächerlich!" sei die Subvention von Stadt und Bund mit den zwei Prozent des Budgets. Man habe ja eine Kürzung von 470.000 Euro erlitten, wobei auch eine Studie nichts half, mit der aufgezeigt wurde, dass die Umwegrentabilität des Musikvereins das 17,2-Fache dessen betrage, was von öffentlicher Seite empfangen werde. Zusammen mit Tourismuseffekten sei man gar beim 62-Fachen. Insofern seien die "zwei Prozent lächerlich", aber dies alles "interessiert die Politik ohnedies nicht".

Das Programm der kommenden Saison müsste eigentlich sogar die Politik ins Haus locken. Es ist ein internationales Orchestertreffen – mit u. a. dem Orchestre de l'Opéra National de Paris, dem BR-Symphonieorchester, den Musiciens du Louvre, dem Gewandhausorchester, dem Chicago Symphony wie der Staatskapelle Dresden. Natürlich sind die Wiener Symphoniker mit Chef Philippe Jordan dabei und die Wiener Philharmoniker. Diesmal werden auch konzertante Opern angeboten: Massenets Don Quichotte, Monteverdis L'Orfeo und Tschaikowskys unvollendete Undina sind u. a. dabei.

Stichwort Concentus Musicus: Nach dem Tod von Nikolaus Harnoncourt wandert das Ensemble mit vier Matineen in den Brahms-Saal, teils unter der Leitung von Stefan Gottfried, teils geleitet von Erich Höbarth. "Sollte der Zyklus sehr gut gebucht sein, haben wir auch eine Verdopplung im Brahms-Saal angedacht", zeigte sich Angyan flexibel. Und sollte die Reihe sehr gut laufen, könne man in der Zukunft auch wieder in den Goldenen Saal gehen, den man jetzt bewusst nicht gebucht habe: "Nichts ist trauriger, als einen nicht vollen Großen Saal nach dem Ableben von Nikolaus Harnoncourt zu haben ..."

Erfreulich indes die Rückkehr des dann 92-jährigen Dirigenten Georges Prêtre (am 11. und 12. Oktober) in Zusammenarbeit mit den Wiener Symphonikern: Prêtre wird dabei aber nur ein "halbes Konzert" geben. Prominent präsentiert wird übrigens nächste Saison die 24-jährige Cellistin Harriet Krijgh. (Ljubisa Tosic, 30.3.2016)

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