Millionenförderung für Evolutionsforschungen von Wiener Biologin

30. März 2016, 13:43
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Christa Schleper untersucht die Ursprünge komplexer Lebensformen

Wien – Für die Analyse von teilweise erst vor Kurzem entdeckten nahen Verwandten der ersten höheren Lebewesen (Eukaryoten) erhält die Mikrobiologin Christa Schleper von der Uni Wien einen "Advanced Grant" des Europäischen Forschungsrates (ERC). Mit der Förderung in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro will sie zwei Archaeen-Gruppen Erkenntnisse über die frühe Entwicklung des Lebens entlocken.

Mit den seit 2007 vergebenen "Advanced Investigator Grants" fördert die EU anspruchsvolle Projekte aus dem Bereich der Grundlagenforschung unter der Leitung von etablierten Wissenschaftern. Die "Advances Grants" sind sozusagen das "Flaggschiff-Programm" des ERC, der mit ebenfalls hoch dotierten "Starting- und Consolidator-Grants" auch Nachwuchswissenschafter unterstützt.

Verwandtschaftsverhältnissen auf der Spur

Schleper war im vergangenen Jahr bereits an der Entdeckung von urtümlichen Einzellern namens Loki-Archaeen in Tiefsee-Proben beteiligt, die in der Nähe eines Hydrothermalfeldes namens "Loki's Castle" nördlich von Island entnommen wurden. Im Zuge der Analysen stellte sich heraus, dass es sich hier gewissermaßen um "Geschwister" von Eukaryoten – also aller Lebewesen, deren Zellen einen Zellkern besitzen – handelt.

Anhand dieser zu den ältesten Bewohnern der Erde zählenden Lebewesen könnte nun nachvollzogen werden, wie aus einfachen, bakterienähnlichen Zellen komplexere höhere Lebewesen wie Pflanzen und Tiere entstanden sind, wie die Uni Wien mitteilte.

Die gebürtige Deutsche, die seit 2007 Professorin für Ökogenetik/Mikrobiologie an der Uni Wien ist, wird sich im Rahmen des nun für die kommenden fünf Jahre geförderten Projekts auch mit den sogenannten Thaumarchaeota beschäftigen. Das sind die einzigen Archaeen, die es geschafft haben, sich überall auf der Erde auszubreiten und im Meer sowie in Böden eine wichtige ökologische Funktion im Stickstoffkreislauf zu übernehmen. (APA, 30. 3. 2016)

  • Christa Schleper
    foto: universität wien

    Christa Schleper

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