Schwechat bleibt in OMV-Hand

30. März 2016, 13:39
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Noch ist offen, welche Gegenleistung Gazprom für die Beteiligung der Österreicher an sibirischen Öl- und Gasfeldern erhält

Wien/Moskau – Am Freitag dürften OMV und Gazprom in St. Petersburg endlich das Geheimnis lüften, was der russische Staatskonzern von der OMV im Gegenzug für die Beteiligung der Österreicher an sibirischen Öl- und Gasfeldern bekommen soll. Eines hat OMV-Chef Rainer Seele aber bereits klargestellt: Die Raffinerie Schwechat bleibt österreichisch. Spannend bleibt es dennoch bis zuletzt

Schon kurz nach seinem Amtsantritt im Sommer vorigen Jahres hat OMV-Chef Rainer Seele angekündigt, der OMV einen Zugang zu sibirischen Öl- und Gasvorkommen des russischen Energieriesen Gazprom zu sichern – seither wird in Österreich vehement darüber spekuliert, was die OMV den Russen dafür anbieten könnte, vor allem von SPÖ-Seite wurde vor einem drohenden Ausverkauf der OMV gewarnt.

Öffentlicher Verkaufsprozess

Als Seele dann Mitte Oktober bekannt gab, die OMV wolle bis zu 49 Prozent ihrer 100-Prozent-Tochter Gas Connect Austria (GCA) verkaufen, sahen Kritiker die Sicherheit der Gasversorgung der österreichischen Haushalte und Industrieunternehmen gefährdet, falls Gazprom Juniorpartner der OMV bei der Pipeline-Gesellschaft werden sollte. Als Bedrohung österreichischer Interessen wurde auch eine mögliche Übernahme der Raffinerie Schwechat durch die Russen gesehen.

Für die Gas Connect hat Seele bereits Anfang Februar Entwarnung gegeben: Die Russen seien nicht interessiert, erklärte der OMV-Chef. Inzwischen läuft ein öffentlicher Verkaufsprozess, die GCA kann also nicht Teil des Asset-Tauschs sein, den Seele schon am Freitag in Petersburg festzurren dürfte.

Mitarbeiterversammlung

Am Mittwoch hat Seele bei einer Mitarbeiter-Veranstaltung in der Raffinerie Schwechat die Angestellten dahingehend beruhigt, dass sie nicht damit rechnen müssen, bald Teil des Gazprom-Konzerns zu sein. "Hört auf zu spekulieren, wir werden in eine Richtung verhandeln, sodass die Raffinerie Schwechat davon nicht betroffen sein wird", sagte Seele. "Wir suchen keine Zusammenarbeit mit der Gazprom im Raffineriesektor." Das gelte für Schwechat, aber auch für die Raffinerie in Burghausen sowie das Raffineriegeschäft in Rumänien. Konkrete Aussagen über den Asset-Deal könne er aber erst machen, "wenn die Tinte trocken ist".

Das könnte bereits am Freitag der Fall sein. Darauf deutet auch hin, dass Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) mit nach St. Petersburg reist. Während Seeles Russland-Pläne von der SPÖ nicht nur kritisch beäugt, sondern zuweilen auch heftig attackiert wurden, stand der Koalitionspartner ÖVP dem Vorhaben aufgeschlossen gegenüber und sprach Seele dafür wiederholt die Unterstützung aus. Gleichzeitig wurde betont, dass der österreichische Staat ein "starker Kernaktionär" der OMV bleiben müsse.

Auch der zweite Kernaktionär, die Abu-Dhabi-Staatsholding IPIC, hat Seele für seine Pläne den Rücken gestärkt. Dem Vernehmen nach soll auch der Energieminister der Vereinigten Arabischen Emirate nach St. Petersburg reisen. Die österreichische Staatsholding ÖBIB verhandelt derzeit über eine Verlängerung des Syndikatsvertrages mit der IPIC. (APA, 30.3.2016)

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    grafik: apa
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