Aprilscherz in der Zeitung

31. März 2016, 15:55
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Späße für den Narren oder reine Wahrheit

foto: apa / dpa / karl-josef hildenbrand

Pro
von Karin Tzschenkte

Zum Lachen gehen manche in den Keller. Auch hier im STANDARD. Die einen, weil sie angesichts dieser Welt, über die sie berichten, sich nicht mehr glaubwürdig empfänden, täten sie es dennoch hin und wieder laut und unkontrolliert. Die anderen, weil sie – und dafür werde ich viele böse Blicke ernten – von Haus aus humorlos sind und nichts zum Lachen haben. Journalisten sind halt auch nur Menschen.

Wir wollen ernst genommen werden. Daher verbieten sich für uns auch Aprilscherze per se. Was nicht heißt, dass wir nicht über sie schreiben. Da werden von manchen Kolleginnen und Kollegen für die Leserinnen und Leser "Ankündigungen und Späße gesammelt, auf die man gerne reinfallen würde". Oder es wird auch berichtet, dass H.-C. Strache auf das von der Presse berichtete EU-Panierverbot für Schnitzel hereingefallen sei.

Wozu die Zurückhaltung? Nutzen wir doch lieber im Sinne Mark Twains den 1. April mit seinen Scherzen als jenen Tag, an dem wir uns daran erinnern, was wir Menschen 364 Tage im Jahr sind: nichts als Narren.

Kontra
von Sigi Lützow

Der Burger für Linkshänder, die Bedrohung der Spaghetti-Ernte durch den Spaghetti-Käfer, Farbfernsehen – das alles waren klassische Aprilscherze. Wer's geglaubt hat, wurde ausgelacht. Wobei, die Fernsehsache zeigt schon, dass der Aprilscherz quasi ein windiger Bruder ist – nämlich einer der vielstrapazierten Tochter der Zeit.

Weshalb man diesem schiachen Lackl auf Zeitungspapier keinen Platz bieten sollte, denn was steht, das pickt. Und der geneigte Zeitungsleser ist es schließlich gewohnt, mit der Wahrheit konfrontiert zu werden und nichts als der Wahrheit.

Nicht selten entpuppt sich die gescherzte Unwahrheit irgendwann als Wahrheit. Ein Burger für Linkshänder ist kein weniger unsinniges Rezept wie Ente süß-sauer für Veganer. Und von Spaghetti-Käfer und -Ernte zur Kopfbedeckung Spaghetti-Sieb als äußeres Zeichen eines pseudoreligiösen Bekenntnisses ist es ja auch nicht rasend weit. So gesehen hätte der gemein geleimte Zeitungsleser dann noch Glück gehabt. Aber, das weiß jeder: Gott soll einen hüten vor allem, was noch ein Glück ist. (RONDO, 1.4.2016)

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