Gefährlicher Abfall bei Häusle Lustenau illegal vergraben

29. März 2016, 17:58
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Nicht nur Plastikabfälle hat das Vorarlberger Unternehmen illegal entsorgt. Nun wurden auch Batterien und Metallabfälle gefunden

Lustenau – Der Skandal um das Vorarlberger Abfallunternehmen Häusle wird stündlich größer. Schlossen am Dienstagvormittag noch die Regierungsvertreter Johannes Rauch (Grüne) und Karlheinz Rüdisser (VP) eine akute Umweltgefährdung aus, änderte sich die Situation am Nachmittag. Umweltlandesrat Rauch informierte Minuten vor einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz des Unternehmens via Aussendung, dass "weitere sogar umweltgefährdende Stoffe illegal deponiert wurden".

Thomas Habermann, seit Dezember Geschäftsführer der Häusle GmbH, trat um 16 Uhr vor die Presse: "Wir wollen aufdecken." Er berichtete "schockiert und wütend, wie verantwortungslos gehandelt wurde", dass auch illegale Deponien mit "problematischen Stoffen", sprich gefährlichen Abfällen, gefunden wurden. Rund 40 Tonnen Material, durchsetzt mit Batterien und Knopfzellen, brachten die behördlich kontrollierten Schürfungen zum Vorschein.

Alles unter die Erde

Zudem habe man Hinweise auf eine weitere Deponie von Siebresten und illegal vergrabenes Kanalräumgut und Straßenkehricht durch Funde verifiziert. Habermann erweiterte die Selbstanzeige und lässt nun durch einen externe Experten überprüfen, ob alle Anlagen bescheidkonform betrieben werden. "Sollte es Lücken geben, werden die sofort geschlossen."

Der Schaden für das Unternehmen geht in die Millionen. Wie hoch er für die Umwelt durch kontaminierten Boden und kontaminiertes Wasser ist, muss noch geklärt werden. Mehrere Labors wurden vom Unternehmen, dem Amt der Landesregierung und der Staatsanwaltschaft mit der Prüfung beauftragt.

Landesrat Rauch ordnete am Dienstag Probebohrungen auf dem gesamten Gelände an. Das Abfallwirtschaftszentrum mit all seinen Anlagen, den genehmigten und illegalen Deponien liegt unweit einer geschützten Riedlandschaft, der Dornbirner Ache und des Rheins.

Profiteure und Verantwortliche gesucht

Ein weiteres Faktum trat am Dienstagnachmittag zutage: Die illegalen Handlungen gehen mindestens bis ins Jahr 2005 zurück. Damals waren noch die landeseigenen Vorarlberger Kraftwerke Eigentümer. Nächsten Mittwoch wird sich der Kontrollausschuss des Landtags mit der Causa beschäftigen.

Sollte sich herausstellen, dass die kriminellen Handlungen mit System und Tradition betrieben wurden, ist die Frage der politischen Verantwortung zu klären. Bevor die Grünen im Oktober 2014 in die Regierung kamen, war das Umweltressort Sache der Volkspartei. Abfall- und Wasserwirtschaft wurden in den vergangenen Jahrzehnten von FPÖ und ÖVP verantwortet.

Wer in der Firma Häusle für die Missstände verantwortlich ist, wer davon profitiert hat, müssen Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft klären. Habermann: "Wir vermuten, dass es einige Verantwortliche, einige Beteiligte und einige Mitwisser gegeben haben muss." Die Geschäftsleitung bereite Schadenersatzklagen vor. (Jutta Berger, 29.3.2016)

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