"Dämonenhafte" Frauke Petry irritiert AfD mit Privatgeplauder

29. März 2016, 17:16
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Er findet sie "sexy", sie mag seine "männliche Stärke": Ein sehr privates Interview des AfD-Paars Petry und Pretzell bringt die Parteichefin unter Druck

"Powerpaare" bittet die "Bunte", das Zentralorgan für die Befindlichkeit der Prominenz, gern zum Gespräch. Oft ist das aber recht fad. Man erfährt, dass die Interviewten gerne Rad fahren oder gemeinsam kochen. Zum Gähnen.

Für deutlich mehr Würze und viel Gesprächsstoff in Politkreisen sorgt in der aktuellen "Bunten" das "Powerpaar" der Alternative für Deutschland: Parteichefin Frauke Petry und ihr neuer Lebensgefährte Marcus Pretzell, der die AfD in Nordrhein-Westfalen führt und im EU-Parlament sitzt. Da geht es nicht ums Radfahren und Kuchenbacken.

Er findet Petry "sexy", verrät Pretzell, denn sie habe etwas so "dämonenhaft Schönes" an sich. Sie wiederum mag seine "männliche Stärke" und dass sie sich "anlehnen" könne. Des Weiteren erfährt die Leserschaft, dass es irgendwann "bamm" gemacht hat, es aber bis zum ersten Kuss eine Weile dauerte.

Fremdschämen und richtiger Ärger

Das Interview ist bemerkenswert, weil Petry ein eher distanziertes Verhältnis zur von ihr so titulierten "Pinocchiopresse" (das klingt harmloser als "Lügenpresse") hat. Aber irgendwie will man doch dazugehören, und so tanzte sie mit Pretzell im Herbst auch schon auf dem legendären Ball der deutschen Hauptstadtpresse.

Jetzt, nach dem "Bunte"-Interview, ist im AfD-Vorstand nicht nur von "Fremdschämen" die Rede, es gibt richtig Ärger. Denn Petry und Pretzell zogen auch gegen führende AfD-Kollegen vom Leder. "Katastrophal" sei die Aussage der Berliner AfD-Chefin Beatrix von Storch gewesen, man müsse zur Not an der Grenze auf Flüchtlinge schießen. Dabei hatten Petry und Pretzell selbst ähnliche Äußerungen gemacht.

Auch die Einschätzung von AfD-Vize Alexander Gauland, der zugleich AfD-Chef in Brandenburg ist, die Flüchtlingskrise sei ein "Geschenk" für die AfD, wurde im Doppelinterview als "fataler Satz" bezeichnet.

Spannungen sind ersichtlich

"Man merkt daran die Spannungen, die da sind", räumt Bundesvorstandsmitglied André Poggenburg (zugleich Landeschef von Sachsen-Anhalt) ein. In vier Wochen will die AfD auf einem Parteitag ihr erstes Parteiprogramm beschließen. Bis dahin dürfte es noch einige Debatten um die Ausrichtung geben. Stärker wirtschaftsliberal, wie es Petrys Co-Chef Jörg Meuthen möchte?

Oder doch eher nationalkonservativ, wofür Poggenburg, Gauland und Thüringens AfD-Fraktionschef Björn Höcke eintreten? Von Storch wiederum schlägt vor, sich künftig verstärkt auf Islamismuskritik zu konzentrieren. Petry sitzt also zwischen allen Stühlen.

Sie gilt zudem – wie ihr Vorgänger Bernd Lucke – als beratungsresistent und nicht besonders teamfähig. Ihr Lebensgefährte hat in den Augen einiger Vorstandskollegen jedoch zu großen Einfluss. Vor kurzem erklärte Petry, sie wolle nicht mehr mit Christian Lüth, dem Pressesprecher der Bundespartei, zusammenarbeiten, sondern ihre Pressearbeit selbst organisieren. Die anderen zwölf Mitglieder des Bundesvorstands aber halten an Lüth fest, was den Graben zu Petry vertieft. Ärger hat Petry auch mit dem saarländischen Landesverband. Weil dieser Kontakte zur rechten Szene pflegt, beschloss der Bundesvorstand dessen Auflösung. Doch der Landesverband will dagegen ankämpfen und vor das Bundesschiedsgericht ziehen.

Verstörung bei Parteikonservativen

Diese Querelen, so die Sorge in der Partei, könnten die Erfolge der AfD wieder zunichtemachen. Bei den Wahlen am 13. März in Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz erzielte die Partei zweistellige Ergebnisse und zog in alle drei Landtage ein. Konservative AfD-Führungsmitglieder stoßen sich zudem an der medial zur Schau getragenen Beziehung von Petry und Pretzell, die beide je vier Kinder haben. In der AfD wird das konservativ-klassische Familienbild propagiert, die beiden haben hingegen ihre Partner verlassen.

Immerhin bleibt dem "Powerpaar" eine Häme erspart: Erst wollte die AfD in ihrem Parteiprogramm Ehebruch als "schwerwiegendes Fehlverhalten" werten und den/diejenige(n) beim Unterhalt leer ausgehen lassen, der/die Schuld am Scheitern der Ehe hat. Dieser Passus wurde jedoch wieder aus dem Entwurf gestrichen. (Birgit Baumann aus Berlin, 29.3.2016)

  • Marcus Pretzell und Frauke Petry Ende November in Hannover.
    foto: apa/epa/julian stratenschulte

    Marcus Pretzell und Frauke Petry Ende November in Hannover.

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