Airbnb und Co: Finanz verhandelt noch immer über Datenaustausch

30. März 2016, 08:00
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Der Antrag auf Amtshilfe wurde vor mehr als einem Jahr gestellt

Wien – Renate Brauner (SPÖ) gehört zu den Optimisten. Wie berichtet hat die Wiener Wirtschaftsstadträtin Ende Februar angekündigt, die Stadt werde ab sofort Onlineplattformen wie Airbnb direkt kontaktieren, um an die Daten der Vermieter heranzukommen. So will man kontrollieren, ob diese Wohnungen legalerweise anbieten und auch die fälligen Gebühren – etwa die Ortstaxe – bezahlen.

Die Stadträtin ist nicht die Erste, die Interesse an diesen Informationen hat. Das Finanzministerium hat bereits vor mehr als einem Jahr ein offizielles Amtshilfeansuchen gestellt. Große Fortschritte dürfte es seither nicht gegeben haben. "Die Gespräche mit diversen Anbietern laufen noch", heißt es auf STANDARD-Anfrage im Finanzressort. Selbiges gelte für die Steuerverwaltungen der involvierten Länder – Airbnb hat seinen Sitz beispielsweise in den USA. Näher wolle man die Verhandlungen nicht kommentieren, sagt ein Sprecher des Ministeriums.

Wettbewerbsrechtliches Problem

Offizielle Schätzungen, wie hoch der vermutete Steuerausfall durch Airbnb, 9flat, Wimbu und andere Anbieter ist, gibt es nicht. In Finanzkreisen geht man allerdings davon aus, dass die steuerrechtliche Komponente gar nicht das größte Problem ist. Das sei vielmehr ein wettbewerbsrechtliches. Also die Benachteiligung von klassischen Hoteliers, weil sich diese an zahlreiche Auflagen (Sicherheitsstandards, Hygienevorschriften, Versicherungsschutz et cetera) halten müssten – und eben Anbieter, die über Airbnb und Co ihre Wohnung anbieten, nicht.

Aus steuerlicher Sicht sei es keineswegs so, dass alle Onlinevermieter an der Finanz vorbei arbeiten würden, berichten Finanzbeamte. Wer mehrere Wohnungen im Internet anbiete, gebe die Einkünfte daraus in der Regel durchaus bei der Steuererklärung an. Gleichzeitig gibt es auch viele private Anbieter, die ihre Wohnung nur für einige Wochen im Jahr zur Vermietung anbieten. Also beispielsweise dann, wenn sie selbst gerade auf Urlaub sind.

730 Euro bleiben steuerfrei

Bei ihnen stellt sich die Frage, ob sie überhaupt in die Steuerpflicht fallen. Bis zu 730 Euro pro Jahr kann man nämlich zusätzlich zu einem regulären Einkommen dazuverdienen, ohne dass man diese Einkünfte der Finanz melden müsste. Bei der Grenze von 730 handelt es sich um den effektiven Ertrag, Kosten für die Wohnung können von den Einnahmen abgezogen werden. Die Airbnb-Einnahmen können also auch höher als 730 Euro sein, ohne dass eine Steuerschuld entsteht.

Der effektive Ausfall an Einkommensteuer und Mehrwertsteuer liege daher wohl nur bei einem niedrigen einstelligen Millionenbetrag, schätzt man in der Finanz. Das hänge auch mit dem Verhalten der Nachbarn zusammen. Solche, die nicht gefragt wurden, ob sie mit einer Vermietung einverstanden sind, greifen nämlich laut Finanzbeamten gern zu Anzeigen. Darüber berichtete auch die Stadt Salzburg, die zuletzt 26 Strafanzeigen wegen des Verdachts auf rechtswidrige Vermietung eingebracht hat. Die Hälfte der Verdachtsfälle gehe auf Beschwerden von Nachbarn zurück, berichteten die "Salzburger Nachrichten". (Günther Oswald, 30.3.2016)

  • Erfunden wurde Airbnb in den USA, mittlerweile wird es auf der ganzen Welt – auch in Wien – genutzt.
    foto: ap

    Erfunden wurde Airbnb in den USA, mittlerweile wird es auf der ganzen Welt – auch in Wien – genutzt.

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