Machotöne im römischen Wahlkampf

30. März 2016, 07:00
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Kandidatinnen in Rom und Mailand unter Druck – Berlusconi: "Sie kann nicht gleichzeitig Mama und Bürgermeisterin sein"

Einmal – ausnahmsweise – hat nicht Silvio Berlusconi angefangen, sondern der ehemalige Chef des italienischen Zivilschutzes, Guido Bertolaso, der ebenso wie die schwangere Giorgia Meloni Ambitionen auf den Bürgermeistersessel in Rom hegt: "Giorgia soll sich lieber der Mutterschaft widmen, das ist ohnehin das Schönste, was das Leben bereithält."

Erst danach fühlte sich Berlusconi bemüßigt, sich ebenfalls zur Kandidatin zu äußern: "Sie kann nicht gleichzeitig Mama und Bürgermeisterin sein." Denn Meloni bewerbe sich für einen "schrecklichen Job": Als Bürgermeisterin der Ewigen Stadt müsste Meloni schließlich rund 14 Stunden am Tag unterwegs sein – ein Ding der Unmöglichkeit für eine Mutter.

Vorfall auch in Mailand

Berlusconis Frauenbild ist ja hinlänglich bekannt. "Er nimmt Frauen nur in der Horizontalen wahr", hatte es eine seiner engsten Vertrauten, die Abgeordnete Daniela Santanchè, einmal auf den Punkt gebracht.

Das Beispiel von Ex-Zivilschutzchef Bertolaso belegt jedoch, dass Berlusconi beileibe nicht der einzige Macho in Italiens Politik ist. Eine solche Episode gab es dieser Tage auch in Mailand: Während in Rom über Melonis Bauch diskutiert wurde, trat in der lombardischen Metropole Patrizia Bedori von Beppe Grillos Protestbewegung von ihrer kommunalen Kandidatur zurück: Sie ertrage es nicht mehr, unentwegt als "fett und hässlich" verspottet zu werden.

Meloni zeigte sich indes von den Zweifeln des Ex-Ministerpräsidenten Berlusconi an ihrer Eignung wenig beeindruckt: "Jede Frau entscheidet selber, wie sie ihre Schwangerschaft lebt – es ist nicht an den Männern, ihr zu sagen, wie sie das zu tun hat", erklärte die werdende Mutter.

Zahlreiche Parlamentarierinnen von links und rechts hatten sich schon zuvor mit Meloni solidarisiert: Sie solle sich frei fühlen in ihren Entscheidungen. Auch der sozialdemokratische Regierungschef Matteo Renzi hatte sich eingeschaltet: "Selbstverständlich kann eine Frau Stadtoberhaupt sein – auch wenn ich hoffe, dass es unser Kandidat (Roberto Giachetti, Anm.) schaffen wird."

Die Chancen dazu sind mit der Kandidatur Melonis in der Tat nicht kleiner geworden – im Gegenteil: Die ehemalige Neofaschistin und frühere Jugendministerin Berlusconis ist in Rom bereits die vierte Kandidatin des Rechtslagers – dieses hat sich angesichts des fortgeschrittenen Autoritätsverlusts Berlusconis zerstritten und ins Out manövriert.

Die Vierfachkandidatur wird bei der Kommunalwahl im Juni zu einer Versprengung der bürgerlichen Stimmen führen und damit dem Kandidaten Renzis, Roberto Giachetti, sowie der Kandidatin der Protestbewegung von Beppe Grillo, Virginia Raggi, den Weg in die Stichwahl ebnen. Im zweiten Durchgang wäre die souverän auftretende 37-jährige Anwältin Raggi wohl Favoritin. Sie ist – das sei der Vollständigkeit halber erwähnt – Mutter eines dreijährigen Buben. (Dominik Straub aus Rom, 30.3.2016)

  • Giorgia Meloni und Silvio Berlusconi 2009.
    foto: ap/stefano rellandini

    Giorgia Meloni und Silvio Berlusconi 2009.

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