Airbus-Entführung ging unblutig zu Ende

29. März 2016, 17:04
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Konfuse persönliche Motive waren Hintergrund der Entführung einer ägyptischen Maschine nach Zypern

Ob der Flugzeugentführer wirklich seine Exfrau sehen oder gar Inhaftierte in Ägypten freipressen wollte, wie Medien berichteten, war auch am Dienstagnachmittag noch unklar. Fest steht: Auf dem zypriotischen Flughafen von Larnaka ist die Geiselnahme unblutig zu Ende gegangen. Wie der Präsident Zyperns, Nikos Anastasiadis, bestätigte, hatte die Tat keinen terroristischen Hintergrund. Am frühen Morgen hatte ein Mann den Piloten eines Airbus A-320 der Fluggesellschaft Egypt Air auf einem Inlandsflug von Alexandria nach Kairo gezwungen, Kurs auf Zypern zu nehmen. Seine Drohung, er trage einen Sprengstoffgürtel, erwies sich später als unzutreffend – es war eine Attrappe.

Nach längeren Verhandlungen konnten alle 55 Passagiere, darunter auch Amerikaner, Holländer, Briten und Belgier sowie neun Besatzungsmitglieder, die Maschine unverletzt verlassen. Der Entführer wurde von den zypriotischen Behörden, die seinen Namen mit Seif Eddin M. angaben, verhaftet. Der ägyptische Verkehrsminister Fathi Sherif wollte weder die Identität des Entführers bestätigen noch über die Motive spekulieren und versprach, die Umstände zu untersuchen.

Die ägyptische Luftfahrt geht derzeit ohnehin durch schwierige Zeiten, und die Entführung könnte das negative Bild noch verstärken. In diesen Tagen wird am Nil äußerst kontrovers über die Sicherheitsvorkehrungen auf den Flughäfen diskutiert.

Nach dem Absturz einer russischen Maschine auf dem Sinai kurz nach dem Start im Badeort Sharm El-Sheikh Ende Oktober haben diverse Airlines – vor allem aus Russland und England – ihre Flüge nach Ägypten eingestellt; mit der Konsequenz, dass der ohnehin kriselnde Tourismus um weitere 40 Prozent eingebrochen ist. Präsident Abdelfattah al-Sisi hat kürzlich in einer Rede fast beiläufig eingeräumt, dass der Absturz durch einen terroristischen Akt verursacht worden sei. Russische Quellen hatten längst von einem Leck in der Flughafensicherheit, genauer beim Wartungspersonal, gesprochen.

Schärfere Kontrollen

Die ägyptischen Behörden versuchen nun Vertrauen zu schaffen. Wer in Kairo ein Flugzeug besteigt, bemerkt bereits, dass die Personenkontrollen viel schärfer geworden sind. Die britische Firma Control Risks Group hat einen millionenschweren Auftrag erhalten, die Sicherheitsabläufe in Kairo, Sharm El-Sheikh und Marsa Alam zu überprüfen, lückenlos zu gestalten und das Personal entsprechend zu schulen. Auch andere Länder haben ihre eigenen Experten geschickt. Der Streit dreht sich nun darum, ob ausländische Experten permanent auf ägyptischen Flughäfen stationiert werden dürfen, um sicherzustellen, dass diese Qualitätsstandards langfristig eingehalten werden. Russland beispielsweise hat diese Forderung gestellt, um die Verbindungen nach Ägypten wieder aufzunehmen.

Unbestritten ist, dass internationale Institutionen wie die International Civil Aviation Organisation (ICAO) dieses Kontrollrecht besitzen. Aber Vertreter einzelner Länder würden eine Verletzung der Souveränität und eine unwillkommene Intervention bedeuten sowie das Eingeständnis einer mangelnden Integrität des ägyptischen Personals, lautet der verbreitete Tenor unter ägyptischen Politikern und Behördenvertretern, die Mühe damit haben offen einzugestehen, dass Ägypten ein schwerwiegendes Vertrauensproblem hat. (Astrid Frefel aus Kairo, 29.3.2016)

  • Der entführte Airbus in Larnaka.
    foto: afp photo / behrouz mehri

    Der entführte Airbus in Larnaka.

  • Der mutmaßliche Entführer verlässt nach der stundenlangen Geiselnahme das Flugzeug.
    foto: afp photo / george michael

    Der mutmaßliche Entführer verlässt nach der stundenlangen Geiselnahme das Flugzeug.

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