Zeitungsredakteur kündigte aus Protest gegen Chinas Medienzensur

29. März 2016, 15:07
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Kritik an Forderung von Präsident Xi zu parteitreuen Medien

Peking – Mit einer aufsehenerregenden Kündigung protestiert ein chinesischer Zeitungsredakteur gegen die Medienzensur in seinem Land: Der Kulturredakteur Yu Shaolei von der Zeitung "Southern Metropolis Daily" veröffentlichte am Montagabend ein Foto seines Kündigungsschreibens im Kurznachrichtendienst Weibo. Die Nachricht wurde zwar schnell von den Zensurbehörden gelöscht.

Auf der Internetseite "Free Weibo", die gelöschte Nachrichten sammelt, war sie aber weiterhin zu sehen. Yu hatte fast 16 Jahre lang für die "Southern Metropolis Daily" aus der Stadt Kanton gearbeitet, die immer wieder die Grenzen der staatlichen Zensur austestet und als eine der wenigen kritischen Zeitungen in der Volksrepublik gilt.

Nachname

Auf Yus Kündigungsschreiben steht in großen chinesischen Schriftzeichen: "Ich kann deinen Nachnamen nicht ausstehen." Damit reagierte der Journalist auf eine Äußerung von Präsident Xi Jinping, der im Februar bei einem Besuch chinesischer Staatsmedien gesagt hatte, dass künftig alle Medien den "Nachnamen" der Kommunistischen Partei tragen sollten.

Zum Foto seines Kündigungsschreibens schrieb Yu: "Ich werde alt und knie schon so lange nieder, dass ich es nicht mehr aushalten kann. Jetzt würde ich gerne versuchen, meine Haltung zu ändern." An die Zensoren seines Weibo-Kontos schrieb der Journalist, dass sie nun "erleichtert aufatmen" könnten.

Chinas Medien unterliegen einer strengen Zensur. Die Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen führt China in ihrer Rangliste zur Pressefreiheit auf Platz 176 von 180. Auch Betreiber von Online-Netzwerken sind verpflichtet, die Beiträge ihrer Nutzer zu zensieren. Zuletzt waren sogar die Konten des bekannten Immobilientycoons Ren Zhiqiang gelöscht worden, nachdem dieser die umstrittenen Äußerungen Xis zu Chinas Medien kommentiert hatte. (APA, 29.3.2016)

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