Tourismus bleibt Stütze der Konjunktur

29. März 2016, 16:39
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Urlaub in Österreich boomt. Trotz schlechten Saisonstarts gab es bis Ende Februar Rekordwerte. Die Ertragssituation vieler Hotels bleibt kritisch

Wien – In wenigen Branchen geht es so beständig aufwärts wie im österreichischen Tourismus. Der heurige Winter fällt nur insofern aus dem Rahmen, als die Voraussetzungen zu Beginn der Saison alles andere als weiß waren.

Trotz Schneemangels, der erst Mitte Jänner halbwegs behoben war, sind vorläufigen Zahlen der Statistik Austria zufolge Rekorde aus dem Vorjahr gepurzelt: Die Zahl der Nächtigungen in den heimischen Beherbergungsbetrieben ist von November bis Ende Februar um 1,7 Prozent auf 47,1 Millionen gestiegen, die Ankünfte haben sich gar um 3,5 Prozent auf 12,45 Millionen erhöht.

"Das Tourismusland Österreich ist attraktiv und wettbewerbsfähig", sagte der für Tourismus zuständige Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (VP) zur Zwischenbilanz des bisherigen Winters. "Vor allem im spielentscheidenden Monat Februar haben wir unsere Stellung als Wintersportdestination Nummer eins in Europa verteidigt."

Tatsache ist freilich, dass der Februar aufgrund des Schaltjahrs 29 Tage und damit einen Tag mehr hatte als in Normaljahren üblich. Rechnet man diesen Tag heraus, gab es dennoch ein Plus, wenn auch ein geringfügig kleineres.

Gut gebucht war die Osterwoche insbesondere in den Skiregionen des Westens, wie ein Rundruf des STANDARD ergeben hat. Damit dürfte zum Saisonabschluss Ende April ebenfalls ein deutliches Plus bei Ankünften und (in geringerem Ausmaß) bei den Nächtigungen stehen. Die Tatsache, dass die Zahl der Ankünfte seit geraumer Zeit kräftiger wächst als die Zahl der Nächtigungen, zeigt schwarz auf weiß, was Experten seit langem sagen: Es kommen mehr Gäste nach Österreich, machen aber kürzer Urlaub. Dieser Trend ist ungebrochen.

Mehr deutsche Gäste

Hauptverantwortlich für das Nächtigungsplus von 1,7 Prozent bis Ende Februar waren erneut Gäste aus Deutschland (plus 1,6 Prozent). Auch Urlauber aus der Schweiz und Liechtenstein (plus 5,8 Prozent) sowie aus Großbritannien (plus 6,5 Prozent), Belgien (plus 4,4 Prozent) und Tschechien (plus 7,0 Prozent) trieben die Nächtigungsstatistik hinauf.

Erwartungsgemäß weiter rückläufig waren Nächtigungen russischer Gäste in Österreich (minus 28 Prozent), nachdem es bereits in der Vorjahresperiode durch den Kursverfall des Rubel und die angespannte politische Situation ein Minus von rund einem Drittel gegeben hatte. Niederländer nächtigten um 5,4 Prozent weniger in österreichischen Betten, obwohl um 4,3 Prozent mehr Ankünfte registriert worden sind.

Experten interpretieren diese Zahlen dahingehend, dass mehr Niederländer Städtereisen unternommen haben, für die eine kürzere Aufenthaltsdauer typisch ist. Nutznießer dieser seit längerem beobachtbaren Entwicklung sei Wien gewesen, das Monat für Monat Rekordwerte bei Gästenächtigungen vorweisen kann.

Alle Bundesländer konnten im Vergleichszeitraum höhere Nächtigungszahlen vorweisen, wobei die absolut größten Zuwächse auf Salzburg mit plus 202.000, Wien mit plus 155.300 und Tirol mit plus 144.200 entfielen.

In der Branche selbst freut man sich einerseits über die Zuwächse, weist andererseits aber auf die zum Teil prekäre wirtschaftliche Situation mancher Hotelbetriebe hin. Höhere Auslastung sei zum Teil durch Preisdumping erkauft.

"Der Wirtschaftsminister rechnet sich die Tourismuszahlen zurecht. Die Gewerbetreibenden im Tourismus können sich ihre Bilanz am Ende des Monats nicht schönreden", sagte beispielsweise der Expräsident der Österreichischen Hoteliervereinigung und Neos-Parlamentarier Sepp Schellhorn. (Günther Strobl, 29.3.2016)

  • Solche Bilder ließen die Tourismusbranche das Schlimmste befürchten.  Doch die Zwischenbilanz belehrt eines Besseren: Die Statistik weist neue Rekordzahlen aus.
    foto: apa/gindl

    Solche Bilder ließen die Tourismusbranche das Schlimmste befürchten. Doch die Zwischenbilanz belehrt eines Besseren: Die Statistik weist neue Rekordzahlen aus.

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    grafik: apa
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